12 Leuchten für die Ewigkeit

Der Hersteller

Tecnolumen

Klassische Berühmtheit: Mit der Wiederbelebung eines Bauhausklassikers, der Leuchte WA 24, hat sich Tecnolumen einen Namen gemacht. Heute steht das Unternehmen für Geradlinigkeit im Doppelsinn – schlichte, zeitlose Formen und eine aufrechte, nachhaltige Firmenkultur.

Interview

Axel Meise //
"Da gehen viele in ihrer Euphorie zu weit."

Noch genügt LED seinen Ansprüchen nicht: Der Münchner Designer und Unternehmer Axel Meise über Licht- und Lebensqualität.

12 Leuchten für die Ewigkeit
von Norman Kietzmann

Schöne und dekorative Leuchten gibt es wie Sand am Meer. Doch einige Entwürfe strahlen heller als der Rest – ihr zeitloses Design macht sie zu Einrichtungsstücken für die Ewigkeit. Pure präsentiert die zwölf besten und bedeutendsten Leuchten.

Die erste Lichtquelle in menschlichen Behausungen war das Feuer. Und es warf alsbald ein gestalterisches Problem auf: Ob Fackel, Öllampe oder Kerze – die Flamme musste gebändigt und sicher in den Wohnraum integriert werden. Vor allem die Eigenschaften des Brennmaterials verliehen den Leuchtkörpern ihre Form, stauchten Öllampen zu bauchigen Wannen, ließen Kerzenhalter Arme ausstrecken. Seit jenen Anfängen des Lichtdesigns spiegeln Leuchtobjekte den technischen Fortschritt wider und geben unserer Kreativität neue Impulse.

 

Zunächst verlief die Entwicklung allerdings langsam. Die ersten elektrischen Leuchten nach der Erfindung der Glühlampe sahen noch nicht viel anders aus als ihre von Wachs, Petroleum oder Gas zehrenden Vorgänger. Ein schlanker Fuß, eine in sicherem Abstand montierte Beschirmung ließen die darin versteckte großartige technische Innovation kaum ahnen.
 
Das änderte sich erst mit dem Ende des Ersten Weltkrieges. Ab 1919, vierzig Jahre nachdem Thomas Edison die erste kommerzielle Version der Glühlampe auf den Markt gebracht hatte, wagte das Bauhaus den Aufbruch. Fasziniert von der Ästhetik der Maschinen und allem Technischen, setzte man die von elektrischer Energie gespeisten Lichtquellen nun wirkungsvoll in Szene. Die Konstruktion aus Leuchtstäben, die Walter Gropius 1923 für sein Direktorenzimmer in Weimar entwarf, wies unübersehbar in eine neue Lichtgestaltungs-Ära – deren erste Ikone dann jedoch ausgerechnet der Entwurf eines erst 24-jährigen Studenten werden sollte.
 
Obgleich die Glühbirne in Wilhelm Wagenfelds Leuchte WG24 Wage ... „WA24“ (1924) nicht direkt zu sehen ist: Ihr halbkugelförmiger Schirm aus Milchglas wirkt wie eine Vergrößerung des darunterliegenden Lichtgebers. Der transparente Glasfuß lässt den Leuchtkörper scheinbar schweben, das sichtbare Elektrokabel verweist deutlich auf den Energiespender. Radikaler ging Eileen Gray ans Werk. Ihre Stehleuchte „Tube Light“ (1927) überträgt die Ästhetik der nur wenige Jahre zuvor auf den Markt gekommenen Neonstäbe – die zum damaligen Zeitpunkt vor allem für Leuchtreklame oder die Beleuchtung von Fabriken zum Einsatz kamen – in die Wohnzimmer der Bourgeoisie. Unbeschirmt, gehalten allein von einem schlanken metallenen Fuß, wird die blanke Leuchtröhre zur gezielten Provokation. Auf Lichtqualität muss entgegen dem ersten Eindruck dennoch nicht verzichtet werden. Die vermeintliche Neonleuchte entpuppt sich als eine überlange Glühfadenlampe, die den Raum in angenehm warmes Licht taucht.
 
Während man beim Möbeldesign der Nachkriegsjahre reduzierte Formen bevorzugte, galt das für Beleuchtungsobjekte nicht. Vor allem im skandinavischen Raum entstanden Entwürfe als organisch- futuristische Skulpturen wie der „Artischocken“-Leuchter (1958) von Poul Henningsen. Bei dieser modernen Interpretation des klassischen Lüsters wird das Licht nicht über ein Bündel aus Kristallen gebrochen, sondern über 72 gebogene Metalllamellen indirekt in den Raum geleitet.
 
Welch prägnante Wirkung eine Lampe in einem Wohnraum haben kann, zeigt die Bogenleuchte „Arco Arco “ (1962) von Achille Castiglioni. Mit ihrem massiven Standfuß aus weißem Carrara-Marmor und ihrem ausziehbaren Arm, der weit in den Raum reicht, wurde sie zur Ikone der Sechzigerjahre – und zu einem fast schon überstrapazierten Retro-Klassiker von heute. Castiglioni gelang damit der Spagat zwischen Leichtigkeit und Präsenz. Er nutzte die Methode des Transferierens, indem er für seine Entwürfe Bauteile aus der Industrie oder dem Baumarkt in die Wohnräume holte. Der Deckenstrahler „Toio“ (1962) stellt zum Beispiel einen Autoscheinwerfer mitsamt Trafo gezielt zur Schau und bei der Tischleuchte „Lampadina Lampadina “ (1972) wird die Glühbirne zum Star. Außer einer schlichten Fassung, wahlweise in poppigem Orange oder Lila, dient lediglich eine flache Kabelrolle als Unterbau. Im Mittelpunkt eine Glühbirne, übergroß, mit einer kappenartigen Beschichtung versehen. Lichtquelle und Körper der Lampe sind hier nahezu eins, die Glühbirne rangiert zum Fetisch, zum gefeierten Kultobjekt. 
 
Der Mailänder Designer Vico Magistretti schuf 1977 mit seiner Tischlampe „Atollo“, in der die Grundformen Halbkugel, Zylinder und Kegel kombiniert sind, eine beinahe archaische Interpretation der Wagenfeld-Leuchte. Fünf Jahre davor hatte Richard Sapper mit „Tizio Tizio “ die erste Niedervolt-Halogenleuchte der Welt präsentiert. Deren kompaktere Bauart in Verbindung mit der neuen Lichtquelle ermöglichte es, den Schwerpunkt der Formsprache noch viel stärker ins Technisch-Konstruktivistische zu verlagern. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten wurde Sappers Entwurf schließlich in den Achtzigerjahren zum Verkaufshit – bis ihm in den Neunzigern die Schreibtischleuchte „Tolomeo“, 1987 entworfen von Michele De Lucchi, den Rang streitig machte. Mit ihrer nach Bedarf verstellbaren Konstruktion und dem beinah historisch anmutenden Schirm in mattem Aluminium bildet „Tolomeo Tolomeo “ eine gelungene Mischung aus Funktionalität und Wohnlichkeit, die sich in jede häusliche Umgebung einfügt.
 
Eine auf den ersten Blick fast dekonstruktivistisch anmutende Antwort auf die „Artischocke“-Leuchte von Poul Henningsen präsentierte Ingo Maurer 1997 mit seiner Hängeleuchte „Zettel‘z“. An metallene Drähte geklammerte Zettel, die man nach Belieben beschriften, bemalen, umordnen oder austauschen kann, animieren zu einer spielerisch-kreativen Auseinandersetzung mit diesem Gebilde. Futuristisch gibt sich das Modell „Titania“ (1995) von Alberto Meda und Paolo Rizzaotto. Mit seinen ellipsenartigen Lamellen und einer unterschiedlich farbigen Beleuchtung wirkt es wie ein Ufo im Landeanflug. Es wurde – nicht ohne Grund – von der Deutschen Post gewählt, um ihren Filialen ein dynamischeres Image zu verleihen. Die kompakte Gestalt der Leuchte ließ sich nur dank platzsparender Halogenlampen realisieren. Ausgelöst vom EU-weiten Glühbirnenverbot vollzieht sich derzeit in der Beleuchtungsbranche ein technologischer Generationenwechsel, der gravierende Auswirkungen auf das Beleuchtungsdesign haben und bislang ungeahnte, faszinierende Möglichkeiten der Lichtgestaltung eröffnen wird.
 
LEDs ARTIKEL ZUM THEMA // Das neue Licht Mehr , bereits seit den Siebzigerjahren in elektronischen Geräten verwendet, werden jetzt in immer leistungsstärkeren und kostengünstigeren Versionen zu einem neuen Leuchtmittel für alle Lebensbereiche. Ihr entscheidender Vorteil: Sie sind wesentlich langlebiger und verbrauchen deutlich weniger Strom als ihre energiefressende Konkurrenz. Das liegt unter anderem daran, dass LEDs – im Gegensatz etwa zur herkömmlichen Glühbirne, bei der bekanntlich 95 Prozent der aufgewendeten Energie als Wärme verpuffen – kaum Wärme entwickeln. Dadurch eignen sie sich auch – ein weiterer großer Vorteil – für eine extrem kompakte und flexible Bauart. Beispielhaft für die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten mit diesem neuen Lichtspender ist die Hängeleuchte „Falling“ (2008) von Tobias Grau: ein Arrangement aus scheinbar wie Tropfen von der Decke fallenden, teilweise metallbeschichteten Kugeln. In den Leuchtköpfen (Durchmesser 8 cm) stecken die neuesten LEDs Interview // Axel Meise: "Da gehen viele in ihrer Euphorie zu weit." Mehr .
 
Dennoch: Viele Beleuchtungsdesigner freunden sich nur zögernd mit dieser Neuerung an. Was wird aus Klassikern wie Castiglionis „Lampadina“, wenn die transparente Glühbirne völlig vom Markt verschwindet? Vorerst können solche Entwürfe, geschützt durch die Einstufung als Kunstobjekt, die EU-Auflagen noch umgehen. Zahlreiche Hersteller rüsten aber jetzt ihre Leuchtenklassiker auf den neuen Standard um. So bekommt man etwa Michele Lucchis „Tolomeo“ bei Artemide nun auch als LED-bestückte Version – wenngleich der markante Leuchtenschirm dadurch zu einer reinen Attrappe verkommt.
 
Die LED-Technologie hat den Markt noch gar nicht ganz erreicht, da geht am Lichtgestaltungs-Himmel bereits ein neuer Stern auf: OLED, ein dünnfilmiges, leuchtendes Bauelement aus organischem, halbleitendem Material. Mit OLEDs lassen sich hauchdünne Folien herstellen, völlig homogene Leuchtflächen, die bereits heute auf Knopfdruck die Farbe wechseln können und irgendwann entlang ganzer Wände zum Einsatz kommen oder gar Kleidung mit leuchtenden Mustern bespielen werden. Schon gibt es erste Entwürfe auf OLED-Basis, etwa Ingo Maurers „Flying Future“ – ein im Wind flatterndes Tuch. Unsere lichte Zukunft wird spannend …
  • Produktname
  • Cosmic Leaf
    Cosmic Leaf
  • Produktname
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  • WG24 Wage ...
    WG24 Wagenfeld
  • Tizio
    Tizio
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  • Arco
    Arco
  • Tolomeo
    Tolomeo

Das neue Licht

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