Große Leuchten

Der Hersteller

Tecnolumen

Klassische Berühmtheit: Mit der Wiederbelebung eines Bauhausklassikers, der Leuchte WA 24, hat sich Tecnolumen einen Namen gemacht. Heute steht das Unternehmen für Geradlinigkeit im Doppelsinn – schlichte, zeitlose Formen und eine aufrechte, nachhaltige Firmenkultur.

Interview

Carsten Hotzan //
Bauhaus aus Prinzip

Der Leuchte-Hersteller Tecnolumen steht nicht nur für die klare Formensprache des Bauhauses, sondern auch für traditionelle Werte, die wieder stark im Kommen sind. Geschäftsführer Carsten Hotzan über Qualitätsanspruch, Kundenzufriedenheit und LEDLicht für Bauhaus-Entwürfe.

Große Leuchten
von Henrik Pfeiffer

Klassische Berühmtheit: Mit der Wiederbelebung eines Bauhausklassikers, der Leuchte WA 24, hat sich Tecnolumen einen Namen gemacht. Heute steht das Unternehmen für Geradlinigkeit im Doppelsinn – schlichte, zeitlose Formen und eine aufrechte, nachhaltige Firmenkultur.

„Ein Ding ist bestimmt durch sein Wesen.“ Mit diesem Satz definierte der Architekt und Bauhausgründer Walter Gropius 1925 die Grundsätze der Bauhausproduktion. Nur durch die dauernde Berührung mit der fortschreitenden Technik, mit der Erfindung neuer Materialien und Konstruktionen, so Gropius‘ Überzeugung, gewinne der Gestalter die Fähigkeit, die Gegenwart in lebendige Beziehung zur Überlieferung zu bringen. Es sollte daraus eine neue Werksgesinnung entstehen: „Die entschlossene Bejahung der lebendigen Umwelt der Maschinen und Fahrzeuge; organische Gestaltung der Dinge aus ihrem eigenen gegenwartsgebundenen Gesetz, ohne romantische Beschönigung und Verspieltheiten.“

 

Ein Jahr zuvor hatte der Bauhausschüler Wilhelm Wagenfeld eine Leuchte entworfen, die eben jenen Gestaltungsprinzipien folgte – sie vielleicht sogar vorwegnahm. Sie zählt heute zu den berühmtesten Leuchten der Welt und trägt nach wie vor die nüchterne Produktbezeichnung WG 24. Eine runde Grundplatte, ein zylindrisches Glasrohr und ein halbkugelförmiger Glasschirm sind die wesentlichen Bauteile dieses Entwurfs. Eine zweite Version mit Metallfuß erhielt den Namen WA 24. Der Intention Gropius‘ folgend, sollte die Leuchte ein „Typ“ werden, ein Standard, der als Vorbild für die industrielle Massenproduktion dienen kann – haltbar, preiswert und schön. Und weil die WG 24 WG24 Wage ... wie kaum ein zweiter Gegenstand die Philosophie ihrer Entstehungsstätte repräsentiert, ist sie heute in vielen Teilen der Welt auch als sogenannte Bauhauslampe bekannt.
 
Mit ihrer klaren Form stellt sie die verdinglichte Antithese zu den verschnörkelten, historisch verklärten Designs, die das Bauhaus zu ersetzen suchte. Das sanfte Leuchten des opalenen Schirms verleiht Räumen einen beruhigenden Schimmer. Ihre Faszination erhält sie durch ihr geradliniges, elegantes Aussehen. Der Glasschirm repräsentiert die Basiskomponenten, die zu ihrer Entstehungszeit in der europäischen Leuchtenproduktion in Mode waren. Ihre klassische Gefälligkeit entsteht durch den direkten und ehrlichen Umgang mit den Grundmaterialien Glas und Metall. Wertigkeit und Langlebigkeit sind integrale Bestandteile des Designs und bleiben aufgrund der Transparenz der Ausführung sichtbar und spürbar.
 
Man könnte nun vermuten, dass diese Leuchte die vergangenen Jahrzehnte als Designklassiker überdauerte, weil ein Hersteller sich des Entwurfs angenommen und sie so in die Wohnräume der Konsumenten gebracht hat. Doch die Geschichte der WG 24 verlief anders. Sie fiel in einen rund 50-jährigen Dornröschenschlaf, aus dem sie erst 1980 durch den Bremer Kaufmann, Bauhauskenner und -sammler Walter Schnepel erweckt wurde. Ausgelöst wurde diese Erweckung durch einen Besuch Schnepels bei dem damals 80-jährigen Wilhelm Wagenfeld in dessen Haus in Stuttgart. Es stellte sich heraus, dass die legendäre WG 24 es nie zur industriellen Reife gebracht hatte. Daher war sie bis auf wenige Einzelstücke auch so gut wie gar nicht erhältlich – und das, obwohl sie schon damals auf der Favoritenliste von Architekten und Produktdesignern einen Spitzenplatz innehatte. Schnepel erkannte ideale Voraussetzungen für eine Neuauflage oder besser: für überhaupt eine Auflage. Schließlich waren die wenigen erhaltenen Exemplare der WG 24 nurmehr für hohe Beträge zu haben und das blumig-verspielte, zum Teil klotzige und stets mit Mengen von Kunststoff versehene Wohndesign der Siebziger begann der klaren, minimalistischen Ästhetik der frühen Achtzigerjahre zu weichen. Die natürlich-hölzerne Idylle schwand, die Menschen suchten Klarheit und Eindeutigkeit. Harte, ehrliche Materialien wie Glas und Metall rückten wieder in den Mittelpunkt. Funktionale Konzepte, nüchterne Oberflächen kehrten zurück, und damit zahlreiche Bauhaus-Designs aus den Zwanzigern. Marcel Breuers ultrareduzierter Beistelltisch „Laccio“ etwa, bestehend aus gebogenem Stahlrohr und einer laminierten Platte, oder der Armlehnensessel „Modell B3“, entworfen 1925, erlebten in den Achtzigerjahren eine beispiellose Renaissance. Die transparenten Formen und das Zusammenspiel von verchromtem Stahl mit schwarzem Leder, Holz oder Laminat passten perfekt in die monochromen Raumkonzepte, mit denen Innenarchitekten den verbleibenden zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ein gestalterisches Gesicht geben wollten. In diesem Spannungsfeld aus „post-post-neuer“ Sachlichkeit und der Besinnung auf schon lange bestehende Designkonzepte entstand Walter Schnepels Idee, die legendäre WG 24 wieder zu beleben – und unter dem Namen Tecnolumen eine Firma zu gründen, die mit Herstellung und Vertrieb der Leuchte betraut sein sollte.
 
Gemeinsam mit Wilhelm Wagenfeld wurde bei Tecnolumen in Bremen eine Reedition der Leuchte erarbeitet, die durch minimale Veränderungen dem aktuellen, disziplinierten Zeitgeist angepasst werden musste. Ihre Form geriet insgesamt etwas zierlicher als das Original. Der Radius des Fußes wurde verkleinert, seine Plattenstärke reduziert und die Kuppel minimal erhöht. Diese Anpassung an populäre Geschmackspräferenzen ihrer Zeit griff den Gedanken Walter Gropius‘ auf: die Vorbereitung auf die Massenproduktion unter Einhaltung strenger gestalterischer Prinzipien. Zwar hatte Gropius mit der von ihm formulierten Designtheorie eigentlich etwas anderes gemeint – nämlich Nützlichkeit, Reproduzierbarkeit und Effizienz als soziale Notwendigkeiten –, dennoch ging die Rechnung trotz anfänglicher Schwierigkeiten auf. Und das tut sie bis heute.
 
Obwohl die Reedition der Leuchte Wagenfelds hohe Investitionsrisiken barg, kann man die Entscheidung, mit diesem Klassiker ein Geschäft aufzuziehen, nur überaus klug nennen. Der steigenden Nachfrage nach dem Starmodell folgend, vergrößerte Walter Schnepel das Produktspektrum zunächst um weitere Objekte aus der Bauhaus-Metallwerkstatt und avancierte ganz allmählich zum ersten und bis heute oftmals einzigen Hersteller bemerkenswerter Designstücke großer Namen: Objekte von Hans Przyrembel, Marianne Brandt, Mart Stam und Gyula Pap lassen sich bei Tecnolumen ebenso erstehen wie Entwürfe, die mit dem Bauhaus verwandt und dennoch klassische Beispiele modernen Produktdesigns sind. Zum Beispiel die Tischlampe EB 27 von Eduard Buquet.
 
Ein Blick durch das Portfolio aus Leuchten und anderen Wohnaccessoires, die Tecnolumen heute produziert, zeigt ein ganzheitliches Bild, eine Formensprache wie „aus einem Guss“. Und doch liegen zwischen den Entstehungsdaten der einzelnen Stücke mitunter ganze Epochen. Das ist besonders deshalb interessant, weil Tecnolumen außer Bauhausklassikern heute auch wichtige Namen der Industriedesignszene der Achtzigerjahre beheimatet. Neben Designs von Walter Schnepel selbst zum Beispiel Klaus Brands 1984 entworfene Eckleuchte aus drei ineinanderliegenden, perforierten Metalldreiecken oder die minimalistische Arbeitsleuchte RHA von Dieter Rams. Entwürfe, die heute, rund 25 Jahre später, als Klassiker gelten. Vermutlich wird die 2008 entworfene Beton- Glas-Leuchte „Trabant“ von Joachim Manz im Jahr 2040 ähnlich gefragt sein.
 
Tecnolumen ist eine Schnittstelle, die die Zeitkoordinaten von Industriedesignkonzepten aneinanderkoppelt. Auf diese Art werden die Objekte aus ihrer jeweiligen Epoche herausgelöst und umsichtig in die Gegenwart transportiert. Reproduziert nach Gropius‘ Definition wird also nicht nur der Gegenstand selbst, sondern vielmehr seine Wirkung. Da diese aber nicht ohne ihre substanziellen Grundlagen, das Material und das Design, bestehen kann, ist eine überragende Produktqualität unabdingbar. Darin besteht der Kern der Philosophie, mit der Tecnolumen 1980 den Markt betrat und die bis heute besteht. „Ich führe diese Philosophie fort“, sagt Carsten Hotzan Interview // Carsten Hotzan: Bauhaus aus Prinzip Mehr , seit 2006 Geschäftsführer der Bremer Firma. Er kennt jeden Glühfaden im Unternehmen, in dessen Versandabteilung er 1985 seine Karriere begann. „Designentwürfe, Vorschläge für neue Konzepte, das kommt überwiegend von außen“, erklärt er. „Die Designer kommen in der Regel auf uns zu, eine eigene Designabteilung haben wir nicht.“ Gerade vor diesem Hintergrund ist das In-und-auswendig-Kennen der unternehmenseigenen Ästhetik unabdingbar. Neue Entwürfe müssen ins Sortiment passen. Die Basiskriterien heißen Schlichtheit, Zeitlosigkeit, Nachhaltigkeit und manifestieren sich in der äußeren Erscheinung der Produkte, in Gestalt hochwertiger, langlebiger Materialien und exzellenter Verarbeitung. Sie gelten nicht nur für die Leuchten von Tecnolumen, sondern auch für die Türbeschläge und Schalter aus der Bauhausund Art-déco-Epoche, die durch die 2005 eigens dafür gegründete Firma Tecnoline originalgetreu umgesetzt und vertrieben werden.
 
„Unser Nachhaltigkeitsbegriff ist in erster Linie von Qualität und Langlebigkeit geprägt“, erklärt Carsten Hotzan. „Hochwertigkeit ist Nachhaltigkeit. Unsere Kunden sind Händler, die wiederum ihren Kunden eine verlässliche Produktqualität bieten wollen. Wir sind ein weltweit operierendes Unternehmen und handeln hier mit weltberühmten Designs. Wer so eine Leuchte kauft, der erwartet eine gewisse Qualität.“
 
Tecnolumen ist kein Öko-2.0-Betrieb und von der Energiesparlampe ist man dort auch nicht restlos überzeugt, obgleich man den Grundgedanken für richtig erachtet. „Das Licht ist oft zu kalt“, moniert Hotzan. Gleiches galt für ihn lange auch in Bezug auf die als größte Hoffnung unter den umweltfreundlichen Leuchtmitteln bezeichnete LED-Technik ARTIKEL ZUM THEMA // Das neue Licht Mehr . Erste LED-Modelle sind gerade erst ins Tecnolumen-Sortiment aufgenommen worden. Der Grund für das Zögern: LEDs mögen umweltfreundlich sein, aber bisher gab es kaum welche, die in Qualität und Design, in Lichtfarbe und Lichtstärke den hohen Ansprüchen von Tecnolumen genügten. Etwas über 80 Prozent der Leuchten werden bei Tecnolumen in Bremen zusammengebaut, die Einzelteile stammen überwiegend aus Deutschland. Kurze Transportwege zur Verbesserung der Ökobilanz? „Ja, aber nicht ausschließlich“, entgegnet Hotzan. „Kurze Transportwege und die Gewissheit, dass die Qualität stimmt, weil ich die Hersteller gut kenne – darum geht‘s.“
 
Das Verständnis von Nachhaltigkeit hat sich bei Tecnolumen auf natürliche und pragmatische Weise entwickelt. Es braucht keine grüne Agenda, um ein zeitgemäßes Unternehmen mit nachhaltigem Anspruch zu sein. Dieser entsteht von ganz allein, gelassen, unaufgeregt, ehrbar – eben typisch hanseatisch. Der 20-Personen- Betrieb läuft stabil, trotz steigender Rohstoffpreise, trotz Wirtschaftskrise. In den kritischen Geschäftsjahren 2009 und 2010 konnte Tecnolumen Zuwächse von jeweils 15 und zehn Prozent verzeichnen. Sieben freie Handelsvertreter repräsentieren das Unternehmen allein in Deutschland gegenüber Händlern, während in Bremen ständig neue Entwürfe entstehen. Für 2011 ist die Markteinführung von drei neuen Leuchtenmodellen in mehreren Ausführungen geplant.
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  • Tizio
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  • Cosmic Leaf
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  • Arco
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  • Tolomeo
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