Wanne in Form

Der Hersteller

Kaldewei

Aus Stahl und Email werden im westfälischen Ahlen die besten und nachhaltigsten Dusch- und Badewannen der Welt geformt – und mit innovativem Design und neuen Produkten positioniert sich Kaldewei als internationale Luxusmarke der modernen Badkultur.

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Wanne in Form
von Klaus Peter Bredschneider

Aus Stahl und Email werden im westfälischen Ahlen die besten und nachhaltigsten Dusch- und Badewannen der Welt geformt – und mit innovativem Design und neuen Produkten positioniert sich Kaldewei als internationale Luxusmarke der modernen Badkultur.

Der Volkswagen unter den Badewannen heißt Saniform. Er wartet mit den Standardmaßen 170 x 75 x 41 Zentimeter auf, hat einen Korpus aus 3,5 Millimeter dickem Stahl-Email, eine rechteckige Außenform und den Ablauf fußseitig. Er wiegt stattliche 48 Kilogramm, ist überwiegend alpinweiß, aber in weiteren Sanitärfarben erhältlich, gegen Aufpreis sogar mit Perl-Effekt oder rutschhemmender Beschichtung. So wie der Käfer eine ganze Nachkriegsgeneration mobil gemacht hat, bevölkert Saniform das deutsche Bad: Unverwüstlich, ebenso robust wie pflegeleicht und vom Hersteller – das jetzt im Gegensatz zum Käfer – mit einer 30- jährigen Garantie ausgestattet.

„Haltbarkeit garantiert“ lautet bereits 1924 der Qualitätsanspruch der Kaldewei Blechwarenfabrik, Stanz- und Schweißwerk. 1918 hatte Franz Kaldewei das Unternehmen in Ahlen gegründet und zunächst Rohware für die Email-Industrie gefertigt. Zehn Jahre später produziert Kaldewei die ersten freistehenden Badewannen Centro Du ... , die noch aus mehreren Einzelteilen zusammengeschweißt werden. Das ändert sich 1958 grundlegend:Mit Hilfe einer hydraulischen Presse und 1.000 Tonnen Druckleistung gelingt es erstmals, Wannen aus einem einzigen Stück Stahl zu pressen. Die „nahtlosen“ Kaldewei-Wannen aus 3,5 Millimeter Stahl-Email werden schnell zum Synonym für Haltbarkeit. Mit einer 30-jährigen Garantie ausgestattet verdrängen sie innerhalb eines knappen Jahrzehnts die bis dahin marktbeherrschenden Gusswannen praktisch vollständig.

Das nächste ehrgeizige Ziel des Familienunternehmens ist damit bereits Mitte der 1970er Jahre vorgegeben: Kaldewei will die „ Nr. 1“ bei Badewannen Puro Kaldewei in Europa werden. Ein unverzichtbarer Baustein in der internationalen Markenstrategie wird die Zusammenarbeit mit renommierten Design-Ateliers. Internationale Designer entwerfen für Kaldewei neue Formen, bringen Farbe ins Bad und stoßen die Tür zu neuen Märkten auf. 1986 baut Kaldewei in Ahlen den größten Email-Brennofen der Welt. Anfang des neuen Jahrtausends stellen sich die Ahlener mit der Gründung von Tochtergesellschaften in Südostasien und China global auf, im letzten Jahr wird auf 15.000 Quadratmetern ein Logistik-Zentrum mit innovativer Lager- und Transporttechnik in Betrieb genommen. Heute gilt Kaldewei als der fortschrittlichste Badewannen-Produzent Europas mit den weltweit höchsten Kapazitäten und Qualitätsstandards. Kein anderer Wannenhersteller verfügt über eine ähnliche Fertigungstiefe – so stellt nur Kaldewei sein Email noch selbst her. Allein in Ahlen beschäftigt das Unternehmen rund 650 Mitarbeiter. Und immer noch befindet sich Kaldewei zu 100 Prozent und in nunmehr vierter Generation in Familienbesitz.

Fragt man nach dem Erfolgsgeheimnis, lautet die lapidare Antwort stets: „Stahl-Email, 3,5 Millimeter.“ Hier hat sich Kaldewei im Laufe der Jahrzehnte unvergleichliche Erfahrung sowie einzigartige Produktionsmethoden erarbeitet. Dass ausgerechnet emaillierte Stahlwannen „made in Germany“ den Stoff für einen weltweiten Exportschlager abgeben, erstaunt dennoch – scheint doch bereits ein beliebiger Gang durch einen x-beliebigen Baumarkt zu belegen, dass die gute alte Metallwanne inzwischen ausgedient hat und heute vor allem Wannen aus Kunststoff gefragt sind. Selbst renommierte Mitbewerber setzen voll auf Acryl – ohne dabei allerdings das Material explizit zu erwähnen oder gar argumentativ in den Vordergrund zu stellen.

Der vermeintliche Widerspruch ist schnell aufgeklärt: Eine Kunststoffwanne ist relativ einfach in Form gegossen und damit produziert. Wird sie anschließend noch mit Verstärkungsplatten versehen, macht sie sogar einen stabilen Eindruck. Ein weiterer vermeintlicher Vorteil dieser Produktionsmethode: Auch anspruchsvolle Formen lassen sich dadurch relativ einfach und kostengünstig realisieren. Acrylwannen haben somit ein formal anspruchsvolles Niedrigpreissegment ermöglicht, das allerdings, so gibt man sich bei Kaldewei betont siegessicher, seinen Zenith schon wieder überschritten hat. Jede zweite Stahl-Email-Wanne aus Ahlen geht in den ebenso kosten- wie qualitätsbewussten Objektbereich, der vor allem Robustheit und lange Haltbarkeit verlangt. Wannen aus Stahl-Email sind hart im Nehmen, leicht zu reinigen und überall dort erste Wahl, wo die Bade- oder Duschwanne intensiv genutzt wird – etwa in Hotels wie dem neuen Luxusresort Peninsula Shanghai, das exklusiv von Kaldewei mit Wannen ausgestattet wurde.
Das „Herz“ der Wannenproduktion, der sogenannte „Schwarzbereich“, wird von rhythmischem Tosen erschüttert. Während die gusseiserne Matrizenform von oben kraftvoll auf die 2,9 Millimeter dicke Stahlplatte donnert und sie beim Aufprall förmlich „aufschreien“ lässt, hält der tonnenschwere Metallstempel der Bewegung von unten seine gewaltigen Widerstandskräfte so entgegen, dass die Stahlplatte zwischen beide Formen gezogen wird und die gewünschte Wannenform annimmt. Tiefziehverfahren nennt man diese Art der Wannenpressung. Damit die Stahlplatten trotz der immensen Kräfte, die während des Pressvorgangs auf sie einwirken, nicht reißen, werden sie zuvor mit speziellen Ölen behandelt. Platte für Platte wird so in rhythmischen Arbeitsschritten zur Wanne geformt.

Wenn am Ende der Produktionsstraße eine Saniform mit den skizzierten Standardmaßen steht, hört sich der beschriebene Pressvorgang aufwendig, aber durchaus machbar an. Fast schon wie ein mechanisch-kinetisches Wunder erscheint einem dagegen die achteckige „Rondo“ mit ihren ineinandergreifenden Rundungen und den markant ausgebuchteten Armlehnen. Oder die Eckwanne „Vaio Duo 3“ mit ihrem asymmetrischen Innenraum. Oder der kreisrunde Duschteller „Piatto “, der wie eine Skultpur schwebt und vermutlich die größte Herausforderung an den Formungsprozess darstellt. Zumal die dicke Stahlplatte nicht nur in die Grundform gezwungen, sondern auch über die Ränder gebogen und darüber hinaus gebördelt werden muss.

Je anspruchsvoller das Design, desto aufwendiger der Formenbau. Je komplizierter der Formenbau, desto diffiziler das eigentliche Tiefziehverfahren. 2,9 Millimeter dicken Stahl in komplexe Formen sowie in Tiefen von bis zu einem halben Meter zu ziehen, verlangt nach aufwendigen Verarbeitungsprozessen, höchster Präzision, viel Erfahrung und Gefühl für das Material. Eine in der Stahlverformung weltweit einzigartige Kompetenz reklamiert Kaldewei hier für sich – ein Anspruch, der sich aus der Dicke des Materials sowie den immer anspruchsvolleren Formen ergibt. Nur zum Vergleich: Die Automobilindustrie arbeitet mit Blechstärken von weit unter einem Millimeter. Bei den Stahl-Email-Wannen von Kaldewei macht der eigentliche Stahlkern „nur“ 2,9 Millimeter aus, die Gesamtstärke ergibt sich mit den drei zusätzlichen Emailschichten – beidseitig jeweils eine Grundierung und anschließend die Oberflächenemaillierung in der gewünschten Farbe.

Email ist ein Schmelzglas aus glasbildendem Mineralgestein, das fein gemahlen und geschmolzen, dann abermals zermahlen wird und erst jetzt unter Zugabe von Quarzmehl sowie den gewünschten Farboxiden den Emailschlicker ergibt, der schließlich auf die sorgfältig gereinigten und neutralisierten Stahloberflächen aufgespritzt und bei knapp 900 Grad eingebrannt wird – fertig ist der extrem kratzfeste, farbige „Glasüberzug“. Man kann dieses Email kaufen – oder man produziert es wie Kaldewei nach einer Geheimrezeptur selbst, um so auch wirklich sämtliche Qualitätsparameter unter Kontrolle zu halten. Es wird in Ahlen in den größten Emaillieröfen der Welt so fest eingebrannt, dass die Oberfläche über viele Jahre unversehrt bleibt – abrieb-, kratz- und schlagfest, absolut säure und chemikalienresistent. Die glasharte Oberfläche gibt selbst mikroskopisch kleinen Kratzern und damit Bakterien keine Chance.

Thema- oder besser Paradigmenwechsel: Seit gut zwei Jahren hat endlich auch Deutschland, das sich sonst bei Umwelttechnologien und in Fragen des Klimaschutzes gerne in einer Vorreiterrolle sieht, eine griffige Zertifizierung für umweltgerechtes Bauen. Das vom Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung und der „Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen“ entwickelte Gütesiegel „Nachhaltiges Bauen“ betrachtet und bilanziert Gebäude – die immerhin für fast die Hälfte unserer CO2-Emissionen verantwortlich sind – erstmals ganzheitlich über ihren Lebenszyklus. Die Folgen für die Bauwirtschaft sind gravierend: Ökonomisch betrachtet machen die eigentlichen Baukosten nämlich nur knapp 20 Prozent der Gesamtkosten aus – gewaltige vier Fünftel häufen sich dagegen erst in den Folgejahren über den laufenden Betrieb an. Der Fokus richtet sich also immer stärker auf die laufenden Unterhaltskosten – und damit auf Energiespartechnologien, Wärmedämmung oder die Rückbaufähigkeit. Das Gütesiegel „Nachhaltiges Bauen“ wird für Gebäude vergeben, bei denen die verbauten Produkte ihren Beitrag in Form einer ISO-zertifizierten Umweltdeklaration leisten. Bedeutet im Umkehrschluss, dass für zertifizierte Gebäude – und das wird in Zukunft der gültige Maßstab sein – nur ebenso zertifizierte Produkte in Frage kommen.

Zurück zu Kaldewei und der Frage, wie nachhaltig Wannen aus Stahl-Email sind. Die höchst offizielle Antwort: Als erstes europäisches Unternehmen der Sanitär-Branche hat Kaldewei den umfangreichen Zertifizierungsprozess durchlaufen und eine Umweltdeklaration für seine Produkte erhalten. Die regierungsamtliche Seriosität dieser ISO-Zertifizierung steht außer Frage, es gibt sie nicht gegen Geld und gute Worte, sondern erst nach umfassender Analyse aller Parameter. Vor Ort im Werk werden Produktionsprozesse durchleuchtet, der Ressourcen- und Energieverbrauch bei der Herstellung spielt eine Rolle, die Lebensdauer, die Recycling- Frage. Vor allem aber das Material: Eine Stahl-Email-Wanne besteht zu 100 Prozent aus natürlichen Rohstoffen – unter anderem aus Erz, Quarz und Feldspat – und kann am Ende ihres Lebens einfach wieder zu Stahl verschmolzen und damit jederzeit wieder zu einer neuen Wanne geformt werden.

So überzeugend einfach kann „Green Design“ sein, wenn man historisch auf das richtige Material gesetzt und über die Jahre jede Menge Produktionskompetenz aufgebaut hat. Und wenn Materialqualität, Langlebigkeit, ressourcenschonende Herstellung und – last but not least – hochwertiges Design zusammentreffen. „Sie hält 30 Jahre und sie gefällt 30 Jahre“, heißt es bei Kaldewei. Passend zum bewussten Anspruchsdenken des neuen „grünen“ Lifestyles inszeniert und positioniert sich Kaldewei aktuell als Luxusmarke für das Bad – edel und extravagant. „Moderner Luxus ist elegant und zurückhaltend, nicht pompös und laut“, beschreibt Nicole Roesler, für Marketing sowie das internationale Produktmanagement zuständig, die neue Ausrichtung. Untermauert wird der Anspruch durch markant gestaltete Neuheiten wie die ultraflache Conoflat-Dusche, den imposanten Duschteller „Piatto“ mit seinem extravaganten Duschvorhang oder eine Farbkollektion, die neue Töne gekonnt zwischen zeitloser Eleganz und aktuellen Fliesentrends variiert. Schließlich will Ahlen in Westfalen seinen Ruf als Hauptstadt der europäischen Bad-Bewegung nicht nur rechtfertigen, sondern stilsicher weiter ausbauen. Die Saniform wird es übrigens allen raffinierten Wannenformen und Trendfarben zum Trotz weiter geben. Sie läuft und läuft ... und wenn sie in frühestens 30 Jahren ausgedient haben sollte, kann aus ihr ja doch noch eine richtig aufregend geformte Wanne werden.

  • Puro Kaldewei
    Puro Kaldewei
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  • Centro Du ...
    Centro Duo Oval
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    Asymmetric Duo
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