Charles Brittin
Zeuge in Schatten
Der Fotoband beginnt wie das Leben des Charles Brittin – harmlos. Milieustudien, Freunde, sein Wohnviertel Venice Beach in Los Angeles. Nach und nach gesellen sich Künstler wie Dean Stockwell, John Altoon, Walter Hopps und David Meltzer hinzu. Das Leben der Beat Generation scheint unkompliziert, man feiert Partys und Brittin greift zur Kamera. 1955 beginnt er mit professioneller Fotografie. Erste Porträts, ungeschminkte Ansichten fern von Mode- und Werbeklischees, intime Aufnahmen (s)einer scheinbar heilen Welt. Bis 1957, kurz nach dem Ende der McCarthy-Ära, die Ausstellung eines Freundes von der Polizei verboten wird. LAPD-Beamte verhaften seinen Künstlerkumpel Wallace Bermann. Langsam verfliegt die Unbekümmertheit der Bohemiens, die Avantgarde wird überwiegend zur Untergrundströmung. Die Schwarzweiß- Motive Brittins zeigen in den 60er-Jahren Demonstrationen, das Aufbegehren gegen Nazis und Rassismus. Brittin lässt all dies nicht unberührt. Ob Anti-Vietnam- Demo (1967) oder Nahaufnahmen der Black Panther Party: Seine ungeschminkten, kunstvoll pointierten Bilder werden zu Zeitdokumenten und erheben ihn in den Rang bedeutender Fotokünstler, in deren Schatten er sich zeitlebens wohl fühlte.
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