Great Landscapes
Neue Weltanshauung
Erst waren es Kinofilme, die im Breitbandformat
über die Leinwände fl immerten
(Cinerama, ab 1952). Jetzt werden auch
die Fernseher immer breiter. Hat sich unser
Sehen verändert? Wahrscheinlich. Unsere
Sicht der Dinge jedenfalls. Tausende
von Bildern ziehen täglich an uns vorüber.
Nur wenige bleiben hängen. Wie erholsam
da der ruhende Blick ist. Auf Bilder
gerichtet, die nicht fortrennen können,
da sie an Wänden hängen, oder auf Fotografi
en, in Bände gepresst, zum Stillstand
gebracht. Auch diese: von grandiosen
Landschaften. Momentaufnahmen der
Schönheit. Die Natur, gebannt in Schwarz-
Weiß ..., stimmt so nicht ganz. Denn es
sind die Zwischentöne, die Graustufen,
die eine vermeintlich erstarrte Szenerie
zum Leben erwecken. Man sieht förmlich
die Wolken über die spitzen Berggipfel ziehen.
Es entsteht Bewegung, wo keine ist.
Das ist die hohe Kunst. Helmut Hirler beherrscht
sie, arbeitet mit Infrarotmaterial,
schafft so Kontraste, moduliert, akzentuiert
Bereiche, die ihm wichtig erscheinen,
verfremdet auch. Doch letztendlich bleibt
sie, wie sie ist, die überwältigend schöne
Natur, die einzigartige Bergwelt, die Wüste,
Bäume, Seen, große Landschaften, die
einem manchmal den Atem nehmen. Ein
Kompliment an den Verlag, der sich das
traut. Ein Buch, so breit wie ein Regal.
Aber nur so, in diesem Panoramaformat,
kommen die Aufnahmen zur gewünschten
Geltung. Aufgeschlagen messen sie einhundertzweiunddreißig
Zentimeter.

