Thomas Struth
Rätselhafte Welt
Die Straßenbilder, die Thomas Struth in den 80er-Jahren von New York, Rom, Paris oder seiner Heimatstadt Düsseldorf aufnahm, sind menschenleer, entstanden in den frühen Morgenstunden. Auch seine Technikmotive: ohne Menschen, aber aussagekräftig. Immer wieder hat Struth der Wirrwarr von Kabelsträngen fasziniert und er gab uns zu verstehen, dass wir keine Ahnung von der komplexen Hightech haben, weder beim Spaceshuttle noch im Atomkraftwerk. Erst ab Seite 36 der neuen Monographie tauchen zaghaft ein paar Menschen auf. Sie trauen sich aus ihren Häusern, in Tokio werden es mehr und in Florenz und St. Petersburg rücken sie als Touristen in den Fokus. Spätestens ab hier versteht man den international renommierten Fotokünstler als Reporter, der uns mit seinen real-präzisen Bildern die Welt zeigt. Dann wagt er sich einen Schritt weiter und porträtiert Familien. Auch sie erzählen vorder- oder hintergründig ihre Geschichte. Doch spielt er uns damit nicht einen Streich? Man ertappt sich dabei, zu jedem Familienporträt seine Phantasie spielen zu lassen. Mangels Information bastelt man sich sein eigenes Bild über die einem doch so fremden Personen. Wieder zeigt er uns damit unsere Ahnungslosigkeit. Struth konfrontiert uns zwar mit der Wirklichkeit der Städte, der Technik, der Menschen, der Natur, er hinterlässt aber Fragen und erklärt letztlich die Welt als (nicht nur morgens um sechs) faszinierendes Rätsel. Der Band begleitet die groß angelegte Struth-Retrospektive mit Stationen in Düsseldorf, London und Porto.
© 2011 PremiumPark GmbH - AGB & Datenschutz
