Dror Benshetrit — Der Design-Poet
Für Dror ist alles in Bewegung, Veränderung ist das eigentliche Wesen der Dinge: „Wir entwickeln uns individuell weiter, und so auch die Dinge um uns herum. Entweder sichtbar als physische oder im übertragenen Sinne als metaphorische Transformation.“ Transformation ist der Schlüsselbegriff. Seine Entwürfe zeigen diese Transformation, entweder konkret oder als Metapher – wie die „Vase of Phases
Vase of P ...
“, die er für Rosenthal entworfen hat: Eine Porzellanvase, die ihrem Zweck dient und zugleich auf ihre Zerbrechlichkeit anspielt. Die Brüche des Porzellans stehen auch für unsere Erfahrungen, für Erlebnisse, die uns prägen und zu dem machen, was wir sind. Für Dror brachte die „Vase of Phases“ den endgültigen internationalen Durchbruch. Bereits kurz nach ihrer Präsentation wurde sie in die Sammlung des Museum of Modern Art aufgenommen. Die „Vase of Phases“ ist auch Teil der ständigen Sammlung des Staatlichen Museums für Angewandte Kunst in München und des Eretz Israel Museum in Tel Aviv. Dror begnügt sich nicht mit Entwürfen, die einfach nur gut aussehen oder gut funktionieren. Seine Schöpfungen haben vielmehr eine Seele, stecken voller Humor und strahlen Energie aus. Er will Poesie in die Verwendung der Materialien bringen. Aus seiner jüngsten Zusammenarbeit mit Cappellini entstand der Peacock, ein Sessel, der aus einer einzigen Filzplatte besteht, die auf einer dunkelbraun lackierten Metallbasis zusammengekräuselt ist. Ein weiches Material mit undefinierten Grenzen, das wie von Zauberhand zu einem benutzbaren, bequemen und einladenden Sitzmöbel wird. Dror studierte Kunst und Design an der Design Academy in Eindhoven und am Center for Art Education des Tel Aviv Museum of Art. 2002 gründete er in New York sein eigenes Studio für Produktdesign und Architektur. Die Liste seiner Auftraggeber ist inzwischen ebenso lang wie prominent und reicht von Cappellini über Puma bis Rosenthal und Russell Hobbs. Denn das mutige „Vase of Phase“-Design findet aktuell seine Fortsetzung und prägt das Gehäuse eines Porzellan-Toasters
Toaster
von Russell Hobbs – made by Rosenthal in einer streng limitierten Auflage von 1500 Stück. Um den ursprünglichen Porzellan-Charakter zu bewahren, hat Dror bewusst auf die sonst übliche Glasur verzichtet: „Glasur ist wie ein Make-up, das von der eigentlichen Schönheit ablenkt – das ist nach meiner Überzeugung bei Menschen genauso überflüssig wie bei Porzellan.“ Entscheidend geprägt hat ihn New York. Dror: „Als ich in dieser großen, lauten Stadt ankam, fühlte ich mich zerbrechlich wie ein kleines Kind. Aus diesem Gefühl heraus ist die Idee einer Porzellanvase entstanden, die diese Zerbrechlichkeit als Möglichkeit zeigt.“ Sein anschließender Weg von New York ins fränkische Selb zu Rosenthal ist ebenso bemerkenswert wie seine Werke. Warum Rosenthal? Dror: „Weil sie die Besten auf der Welt sind, weil sie die Materialität Porzellan perfekt beherrschen.“ Bemerkenswert auch die erste Reaktion, als er in Selb angekommen war: „Wir perfektionieren Porzellan seit 125 Jahren, und dann kommen Sie und zerstören es einfach.“ Im Endeffekt war auch diese Herausforderung für Rosenthal ein Grund mehr, das Projekt umzusetzen.



