Interview // Carsten Hotzan — Bauhaus aus Prinzip
pure: Herr Hotzan, Tecnolumen produziert mit der Wagenfeld-Leuchte eine der großen Ikonen des Bauhauses und steht wie kein zweiter Leuchten- Hersteller für das Design und die Philosophie dieser Ära. Was zählt für Sie zum Bauhaus? Wie eng oder weit fassen Sie den Begriff?
Hotzan: Für uns muss eine Bauhaus-Leuchte tatsächlich am Bauhaus entworfen worden sein. Eine Leuchte von Wagenfeld aus den 50er Jahren ist für uns keine Bauhaus-Leuchte mehr. „Bauhaus“ als Prädikat darf nach unserer Überzeugung nicht verwässert werden.
pure: Worin besteht für Sie der eigentliche Wert der Bauhaus-Philosophie, die sich durch Ihr Sortiment zieht? Wie konnten damals Entwürfe von einer Zeitlosigkeit entstehen, die sie heute noch begehrenswert macht – vermutlich mehr als damals?
Hotzan: Viele, die nicht so im Thema sind, wollen nicht begreifen, dass diese Entwürfe aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts stammen. Unmittelbar nach dem Jugendstil und parallel zum Art déco war die klare Formensprache eine Revolution. Die Gestalter des Bauhauses wurden angefeindet und für verrückt erklärt. Der Slogan „Form follows Function“ kam zwar erst später, war aber bereits fest verankert in der Denke des Bauhauses. Diese Reduktion auf das Wesentliche war damals einfach revolutionär.
pure: Welchen Stellenwert hat für Sie Nachhaltigkeit?
Hotzan: Das bedeutet für uns in erster Linie Qualität. Wir möchten keine kurzlebigen Produkte herstellen, die nach zwei, drei Jahren auf dem Müll landen. Unsere Leuchten sind so konstruiert und verarbeitet, dass sie Jahrzehnte halten. Kundenzufriedenheit ist für uns ein ganz zentraler Punkt. Wenn ein Kunde unzufrieden ist, helfen wir – und diskutieren nicht lange.
pure: Kommt das häufig vor?
Hotzan: Es kommt vor. Wenn jemand beispielsweise eine handpolierte Schreibtischleuchte für 3.000 Euro kauft und mit dem Schliff nur zu 99 Prozent zufrieden ist, diskutieren wir nicht, ob die Reklamation berechtigt ist oder nicht.
pure: Sie lassen nicht in China fertigen. Was kritisieren Sie vor allem: Die Qualität der Produktion oder die Produktionsumstände?
Hotzan: Noch ist die Situation in China nicht so, dass wir dort produzieren lassen. Mein Eindruck ist, dass sich an den Arbeitsbedingungen in den letzten zehn Jahren nicht viel geändert hat. Solange da nichts grundlegend anders wird, kommt für mich eine Fertigung in China nicht in Frage.
pure: Obwohl Mitbewerber längst dort fertigen lassen?
Hotzan: Das ist ja auch legitim. Wir bleiben dennoch in Deutschland, solange wir uns eine Produktion hier leisten können. Ich kann aber verstehen, dass viele Unternehmen ihre Fertigung ins Ausland verlagern, weil sie hierzulande immer teurer wird. Man zwingt sie förmlich zum Abwandern.
pure: Sind es die Löhne oder sind es die Vorschriften, die den Standort Deutschland so teuer machen?
Hotzan: Die Lohnkosten sind der zentrale Punkt, aber auch Arbeitsschutz oder Umweltauflagen kosten Geld, so wichtig sie auch sind. Einen galvanischen Betrieb zur Oberflächenveredelung zum Beispiel können Sie in Deutschland nicht mehr aufmachen. Wer da ganz neu anfangen will, wird von der Bürokratie erschlagen.
pure: Ist Tecnolumen eine Leuchten-Manufaktur?
Hotzan: Das trifft es schon sehr gut.
pure: Stellt Sie das Ende der Glühbirne vor Probleme?
Hotzan: Das Problem für uns als Hersteller ist, dass wir keine wirklichen Leuchtmittel-Empfehlungen mehr geben können. Früher war das bei der Wagenfeld-Leuchte einfach – Glühlampen bis maximal 75 Watt waren erlaubt, am schönsten war sie aber mit 40- Watt-Glühbirnen. Heute können wir dagegen das ideale Leuchtmittel nicht mehr empfehlen. Wir können zwar Energiesparleuchte in den Katalog schreiben – aber die gibt es schon wieder zuhauf in den unterschiedlichsten Qualitäten.Viele sind mies, ein paar ganz gut. Es gibt unterschiedliche Lichtfarben, aber die Sehgewohnheit ist geprägt von der Glühlampe, sodass das subjektive Empfinden bei der Energiesparlampe sehr weit streut.
pure: Wie stehen Sie zu LED?
Hotzan: Positiv, weil es inzwischen LEDs mit guter Lichtqualität und Farbe gibt. Wir haben unsere LED-Technik zusammen mit einem Bremer Elektronik-Unternehmen entwickelt und sind gespannt, ob die Lichtqualität beim Kunden so gut ankommt, wie wir uns das wünschen. Das Licht ist nämlich wirklich toll. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir in diesem Bereich weitermachen, weil LED das Leuchtmittel der Zukunft ist – auch für Klassiker aus dem Umfeld des Bauhauses.
pure: Welche Entwürfe kommen für Tecnolumen in Frage?
Hotzan: In unser Sortiment kommen nur Entwürfe mit einer Formensprache, die sich nahtlos einfügt. Florale Motive würden zum Beispiel nicht passen, das können andere besser. Es gibt durchaus Entwürfe, die uns sehr gut gefallen, aber eben einfach nicht unser Stil sind.
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