Interview // Patricia Urquiola — Eleganz rau ausgedrückt
pure: Frau Urquiola, welche Rolle spielt das Badezimmer in Ihrem Alltag? Ist es Erholungsraum oder Durchgangsort?
Urquiola: Es ist der einzige Ort, an dem ich mein Telefon immer ausschalte. Ein Bad zu nehmen bedeutet, auf mich achtzugeben, Körper und Geist zu reinigen und diesen Moment auch bewusst mit meinem Partner zu teilen. Das Badezimmer ist also ein sehr persönlicher Ort für mich.
pure: Wie sieht Ihr Badezimmer aus?
Urquiola: Es ist ein großer Raum, der sich aus Schlafzimmer, Badezimmer und einem offenen Kleiderschrank zusammensetzt. Durch die Fenster schaut man auf eine Terrasse mit vielen Pflanzen. Von der Badewanne aus hat man wirklich den schönsten Blick nach draußen, was es nicht einfach macht, wieder aufzustehen. Es gibt ein doppeltes Waschbecken und sehr viel Sonnenlicht, das durch die Fenster direkt hereinfällt. Ganz wichtig: eine große Dusche, die mit einem System für niedrigen Wasserverbrauch ausgestattet ist.
pure: Inwieweit hat sich das Badezimmer in den letzten Jahren verändert?
Urquiola: Es ist kaum wiederzuerkennen (lacht). Von einer geschlossenen, klinischen, weißen Box hat es sich in einen sinnlichen Raum zum Entspannen verwandelt, der über dieselbe Atmosphäre, dieselben Materialien und dieselben Farben wie die anderen Räume im Haus verfügt.
pure: Mit Ihrer Serie „Axor Urquiola“ für Hansgrohe haben Sie eine komplette Badezimmerkollektion entworfen, die Schränke, Armaturen, Duschen, Waschbecken und Wannen umfasst. Inwieweit haben Sie damit auf den Wandel des Badezimmers reagiert?
Urquiola: Ich wollte eine Familie von Produkten kreieren, die sich auf unterschiedliche Weise nutzen lassen und auf alle Bedürfnisse eine Antwort geben. Darum war es mir wichtig, den Nutzer nicht durch ein allzu festgelegtes System einzuschränken. Sämtliche Komponenten der Kollektion sind frei kombinierbar und können beliebig im vorhandenen Raum montiert werden. Auch bleibt die Möglichkeit, persönliche Dinge wie zufällig in das Ambiente mit einzufügen, wodurch es einen individuellen Charakter erhält.
pure: Mit Ihrem Modell „Vieques
“ (2008) für Agape haben Sie die Metallwannen des 19. Jahrhunderts in die Gegenwart übersetzt. Braucht das Badezimmer einen Hauch von Nostalgie, damit wir uns in ihm wohlfühlen?
“ (2008) für Agape haben Sie die Metallwannen des 19. Jahrhunderts in die Gegenwart übersetzt. Braucht das Badezimmer einen Hauch von Nostalgie, damit wir uns in ihm wohlfühlen? Urquiola: Vertraute Formen können helfen, sich schneller zu Hause zu fühlen. Aber das allein triff es nicht. Ich denke, dass die visuelle Härte von Stahl eine sinnvolle Bereicherung vor allem in jenen Interieurs darstellt, die von anderen harten Materialien wie Beton oder offenem Mauerwerk dominiert werden. Darum wollte ich mit dieser Wanne etwas Elegantes auf eine raue Weise ausdrücken. Das ergab ein positives Bild.
pure: Worin liegt die Herausforderung beim Entwerfen einer Badewanne?
Urquiola: In den vergangenen Jahren ging es ganz klar um ein neues Lebensgefühl im Badezimmer. Doch heute ist es genauso wichtig, möglichst wenig Wasser zu verbrauchen und auch die Form der Einrichtungsgegenstände so unaufdringlich wie möglich zu gestalten.
pure: Hat die traditionelle rechteckige Wannenform ausgedient?
Urquiola: Es kommt darauf an. Eine eckige Wanne ist prinzipiell nicht die beste Lösung für einen sparsamen Umgang mit Wasser. Auf der anderen Seite kann sie in kleinen Räumen leichter in das Layout der übrigen Möblierung eingefügt werden. Eckige Wannen sind in meinen Augen ohnehin interessanter, wenn sie wie in Japan ein Stück kürzer, dafür aber höher sind.
pure: Welche Materialien werden die Badewanne der Zukunft bestimmen: Keramik, Stein, Metall, Holz oder Mineralwerkstoffe wie Corian oder Cristalplant?
Urquiola: Ich denke, dass vor allem die Möglichkeiten von Harzen, wie sie beispielsweise bei Mineralwerkstoffen zum Einsatz kommen, noch lange nicht ausgeschöpft sind.
"Ich denke, dass vor allem die Möglichkeiten von Harzen, wie sie beispielsweise bei Mineralwerkstoffen zum Einsatz kommen, noch lange nicht ausgeschöpft sind. "
Denn sie können helfen, die Wassertemperatur so lang wie möglich warm zu halten, oder ein angenehmes Gefühl auf der Haut erzeugen, wenn sie mit dem Körper in Kontakt kommen. Auch den Alterungsprozess können sie entscheidend beeinflussen.
pure: Wie sollte eine Badewanne zum Einsatz kommen: freistehend oder mit der Wand verbunden?
Urquiola: Wenn man das Glück hat, über einen großen Raum zu verfügen, sollte die Wanne frei stehen. Wenn nicht, ist es auch nicht schlimm, solange sie auf intelligente Weise in den Raum integriert wird. Wichtig ist, dass sie atmen kann und sich leicht reinigen lässt.
pure: Wenn Sie ein Bad nehmen: Lesen Sie dabei oder hören Sie Musik?
Ich höre Musik.
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