Ohne Glas würde vielleicht noch die Pest über Europa wüten. Glas war der Motor des europäischen Aufstiegs. Wie wertvoll uns das Material noch heute ist, zeigt die Recycling-Quote: Über 80 Prozent unserer leeren Flaschen tragen wir brav zum Container.
Für die meisten Menschen ist Glas ein Alltagsgegenstand, der am besten durch Unsichtbarkeit auffällt. Ein Blick durch die Fensterscheibe zeigt die Außenwelt, nicht das Material dazwischen. Angenommen, ein böser Zauberer könnte alles Glas von der Welt verschwinden lassen – wir würden weit mehr verlieren als nur ein paar Fensterscheiben. Tatsächlich ist die Entwicklung unserer Kultur mit kaum einem anderen Material so tief verknüpft. Ohne Glas würde uns nicht nur ein kalter Wind ins Wohnzimmer wehen. Es gäbe keine Autos, keine Züge, keine Flugzeuge – die auf freie Sicht bei maximalem Schutz angewiesen sind. Wahrscheinlich wären wir alle nicht auf dieser Welt – weil nach der großen Pest des Mittelalters weitere Infektionskrankheiten Europa heimgesucht hätten. Glaskolben und vor allem das Mikroskop haben gefährliche Erreger bekämpft und erst sichtbar gemacht. Die Museen und die Philosophie wären um einige Schätze ärmer: Kein Glas bedeutet auch, dass der moderne Spiegel nie erfunden worden wäre – der Maler angeregt hat und eine ganze Kultur zur Selbstreflexion. Nicht zuletzt: Viele bedeutende Schriften wären nie entstanden, nie gelesen worden, weil Autoren wie Leser keine Brillengläser als Hilfsmittel auf der Nase gehabt hätten. Ohne Glas keine Chronometer am Handgelenk, ohne Glas keine Glühlampen. Glas ist der große Kämpfer gegen Dunkelheit, Krankheit und Dummheit.
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