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Plastik

Kein Stoff polarisiert so sehr: Plastik. Für den Philosophen Roland Barthes war es eine "magische Materie". Für die Umweltaktivisten ist es die "Ahnung der Apokalypse". Designer preisen Kunststoff als das Paradies der freien Formen und Farben. Die Wahrheit ist ebenso dehnbar wie die Masse selbst.

Kaiser Karl V. staunte, wie ein Europäer katholischen Glaubens im 16. Jahrhundert nur staunen konnte: Der spanische Eroberer Hernán Cortéz hatte von seinen Raubzügen gleich zwei komplette Azteken-Mannschaften mitgebracht. Die vor dem spanischen Königshof ein seltsames Spiel aufführten, wobei sie einem Ball nachjagten. Die Sportart selbst interessierte Karl V., den damals mächtigsten Mann der bekannten Welt, weit weniger als die Kugel, um die sich die Sklaven aus Südamerika stritten. Ein Vollgummi-Ball aus Kautschuk – das erste vollplastische Polymer, die Mutter aller Kunststoff-Faszination. Heute wissen wir: Die Mayas haben mit Kautschuk ihre Kleidung imprägniert, sogar ihre Füße hineingetaucht und damit den Vorgänger des Gummistiefels erfunden. Für die erobernden Spanier war Kautschuk ein strategisch wichtiger Wunderstoff; nützlich in seiner wasserabweisenden Kraft – gerade für eine Seemacht. Lektion eins: Polymere sind zum Spielen da. Lektion zwei: In der Hightech-Variante aber immer auch Machtinstrumente. Womit die Spanier auf Jahrzehnte die Faszination des Werkstoffs ausgereizt hatten. Schnell mussten die Beherrscher des Salzwassers einsehen: Bei Hitze beginnt Naturkautschuk zu kleben, bei großer Kälte wird der Saft des Kautschukbaums spröde. Es war zum Weinen – im Sinn seines Namens: „cao-ochu“ nannten die Einheimischen die Saftquelle – „Baum, der weint“.

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