Mikroplastik: Aus den Meeren in unseren Körper

von Aurelie von Blazekovic

Müllstrudel in den Ozeanen, Robben, die an Plastikteilen verenden und Meldungen über krebserregende Weichmacher. Plastik hat seinen guten Ruf vor langer Zeit verloren. Trotzdem war Plastik nie allgegenwärtiger als heute, auch in Form von Abfall. Denn wo immer der Mensch ist, hinterlässt er seinen Plastikmüll. In Wüsten, Regenwäldern und auf 8000 Meter hohen Berggipfeln – an jedem noch so abgelegenen Ort unserer Erde verwittern Plastiktüten und PET-Flaschen. Und wo dieser Müll landet, bleibt er erst mal. Denn eine Plastikflasche braucht nach Angaben des Umweltbundesamtes etwa 450 Jahre bis sie sich zersetzt hat.

Plastikmüll ist ein globales Problem, bei dem wir zu dem Gefühl neigen, dass zumindest wir in Deutschland unseren Teil beitragen. Wir, die Atomkraftgegner und Problembewussten, die an jeder Ecke Mülleimer haben, liebend gerne recyceln und im eigenen Heim mit großem Pflichtbewusstsein Bananenschale von Joghurtbecher trennen. 

Mehr Kunststoff als Plankton 

Dass uns all das leider nicht viel bringt, wird klar, wenn man sich die Tragweite des Problems vor Augen führt. Denn die Menge des Plastiks in den Weltmeeren ist gigantisch. Mehr als 13 Millionen Tonnen Plastikmüll gelangen laut Greenpeace jedes Jahr in die Ozeane. Dort schwimmt dieser Müll nicht bloß umher und verletzt Meeresbewohner. Vielmehr wird das Plastik von der Umwelt aufgenommen und gelangt in unsere Nahrungskette. In den Ozeanen zerreibt sich der Abfall in kleine Teilchen, sogenanntes Mikroplastik, und wird so von Fischen und Säugetieren gefressen. 

Der amerikanische Meeresforscher Charles Moore machte vor einigen Jahren Schlagzeilen mit dem Ergebnis seiner Untersuchungen, wonach es sechs Mal so viele Plastikteilchen wie Plankton in den Meeren gäbe. Fische, Krebse und Muscheln ernähren sich also zum großen Teil von Plastik.

Doch nicht nur die Meere und ihre Bewohner sind mit Plastik belastet. Auch in Seen und Flüssen findet sich das Mikroplastik und gelangt auch auf diesem Weg in unsere Nahrung. Wer also meint, man könne dem Problem aus dem Weg gehen, indem man nur lokalen Süßwasserfisch verzehrt, muss enttäuscht werden. Eine Studie der Universität Bayreuth fand heraus, dass auch bayrische Gewässer mit Plastik belastet sind. 831 Plastikpartikel pro Quadratmeter finden sich zum Beispiel am Ufer des Starnberger Sees. Am Gardasee sind es bis zu 1000 Teilchen, ähnlich viel wie in den Meeren. 

 

 

Plastik im Blut

Zudem kann Plastik auf viele Wege in unseren Körper gelangen. Nicht nur Fisch, der sich zu Lebzeiten von Mikroplastik ernährte und dann auf unserem Teller landet, ist schädlich für uns. Auch die Berührung unserer Nahrung mit Kunststoffen, zum Beispiel durch Verpackungen oder PET-Flaschen, steht im Verdacht gesundheitsschädlich zu sein. Außerdem können Bestandteile von Plastik auch über die Haut und Schleimhäute aufgenommen werden. 

Und so ist es kaum verwunderlich, dass sich im menschlichen Körper Plastikrückstände finden. Der Stoff Bisphenol A, ein wichtiger Bestandteil von Kunststoffen, kann durch Blut- oder Urintests in 90% der in Industriestaaten lebenden Menschen nachgewiesen werden. Immer wieder wird Bisphenol A mit Krebs, Unfruchtbarkeit, und Veränderungen des Erbguts in Verbindung gebracht. Aus diesen Gründen darf der Stoff seit 2011 nicht mehr in Babyflaschen enthalten sein. Zwar gibt es keine eindeutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse über die langfristigen Auswirkungen des Stoffes auf den Menschen, aber eine hohe Dosis Plastik im Blut kann sich wohl niemand wünschen. 

Wir produzieren zu viel Plastikabfall

Was soll man angesichts dieses so weit verstrickten Problems nun tun? Zum einen muss man dem bereits vorhandenen Plastik in unserer Umwelt Herr werden. Aber vor allem müssen wir langfristig Plastik reduzieren und auf nachhaltige Alternativen ausweichen. Das könnte ein langer Weg sein, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass wir immer mehr Tüten, Folien und Verpackungen verbrauchen. Laut BUND hat sich allein in Deutschland die jährliche Kunststoffabfallmenge zwischen 1994 und 2013 auf 5,7 Millionen Tonnen fast verdoppelt.

Da dieser Zuwachs vor allem auf den Anstieg des Plastikmülls beim Endverbraucher zurückzuführen ist, besteht aber vielleicht doch Hoffnung. Denn genau von diesem Verpackungsabfall könnten wir uns doch am leichtesten trennen. Warum verbrauchen wir bis zu 500 Plastiktüten im Jahr, wieso müssen Äpfel in einer Plastikschale stecken, die dann nochmal mit Plastik umwickelt ist, und weshalb bekommt man Werbeprospekte mit Folienüberzug in den Briefkasten geworfen? Unsere Umwelt und unsere eigene Gesundheit wird es uns danken, wenn wir als Verbraucher Plastik reduzieren und uns gegen unnötigen Verpackungswahn wehren.