Kartell wagte kurz nach dem Krieg ein klares Votum, dessen Mut wir uns heute kaum vorstellen können. 1949 widersprach Giulio Castelli in Mailand allen „klassischen“ Grundlagen des italienischen Möbeldesigns – Kunststoff sollte die Basis seiner Firma mit dem programmatischen Namen „Kartell“ sein. Hinter dem Kartell stand vornehmlich die starke Frau Castellis: Anna Castelli Ferrieri (1920-2006) war eine der ersten Architektur-Absolventinnen des Mailänder Polytechnikums. Anna brachte die Ästhetik ein, Giulio das technische Know-how. Anna formte im Großen wie im Kleinen. Natürlich entwarf die Architektin den Firmensitz von Kartell, aber auch Büros für Alfa Romeo. Als Art-Direktorin von Kartell schuf sie das Baukastensystem „Componibili“ – einen Container in runder und quadratischer Form, den Kartell noch heute weitgehend unverändert im Katalog führt. Als Designklassiker mit dreißigjähriger Tradition ist Componibili längst in die ständige Ausstellung des Museums of Modern Art in New York und ins Centre George Pompidou in Paris gerollt.