Eine der großen Familiengeschichten: Cartier wuchs über Generationen – die sich durch Schmuck- und Uhren-Legenden ein weltweites Imperium schufen Der übliche Generationenvertrag: Der alte Goldschmiedemeister will nicht mehr – Adolphe Picard übergibt seine Werkstatt in der Rue Montorgueil zu Paris an Louis-François Cartier. So geschehen 1847. Der junge Goldschmied zeigt wirtschaftliches Talent. Mehr noch: Er trifft den Zeitgeschmack. 1856 kauft Prinzessin Mathilde, die Nichte von Napoleon I. und Cousine von Kaiser Napoleon III., zum ersten Mal bei Cartier ein. 1859 verfällt auch Kaiserin Eugénie den Preziosen von Cartier. Der Ritterschlag, der Beginn einer konsequenten Marketingkampagne. Cartier versteht sich nicht als überbordender Ausstatter einer Luxusgesellschaft, die Sprache der Schmuckstücke ist erstaunlich zurückgenommen, elegant. Bereits 1888 erkennt Cartier das Geschäftsfeld der Uhren. Legendär wird ein Entwurf des Erben Louis Cartier. Er entwickelt für seinen Freund, den brasilianischen Flieger Alberto Santos-Dumont, eine Uhr, die als Spezialanfertigung mit einem Lederarmband am Handgelenk getragen werden kann. Damals, 1904, eine echte Sensation. Das Modell für „den Kunden auf der Straße“ kommt erst 1911 in die Cartier Boutiquen – das Familienunternehmen hat sich mittlerweile ein weltweites Netzwerk aufgebaut. Auch unter den Königshäusern. Wie kaum ein anderer Schmuck- und Uhrenhersteller wird Cartier mit dem Siegel eines königlichen Hoflieferanten geadelt. 1914 entdeckt Cartier den Panther als Schmuckobjekt, die Modelle bleiben nicht nur dem Adel vorbehalten, sie gehen in Serie. Die Zielgruppe wird konsequent erweitert. Auch die Intellektuellen lassen sich umgarnen: Jean Cocteau trägt den „Trinity“-Ring, macht das Drei-Goldtöne-Design weltweit bekannt. Auch politisch zeigt Cartier Flagge: Charles de Gaulle schreibt einige seiner Reden in einem Büro, das Jacques Cartier ihm zur Verfügung stellt. Der Generationenvertrag hat nicht gehalten. Die Familiengeschichte endete mit dem Tod von Louis Cartier 1942. Heute ist die Marke im Besitz des Schweizer Luxusgüterkonzerns Richemont.