Grünes Gold

Kürbiskernöl aus der Steiermark boomt – und kommt manchmal aus dem Burgenland. Seine EU-geschützte Herkunft wird kontrolliert wie die des Champagners. Und seine Herstellung erfolgt nach jahrhundertealter Tradition.

von Dagmar Rümenapf

[Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe 02/2013 des Magazins PURE by premiumpark]

Kein anderes Lebensmittel ist so untrennbar mit der Steiermark verbunden wie das dort gewonnene Kürbiskernöl. Das „grüne Gold“ der Steiermark, seit 1996 mit dem EU-Gemeinschaftszeichen für Produkte mit geschützter geografischer Angabe (g.g.A.) versehen, gehört wie etwa Champagner, Prosciutto di Parma, griechischer Feta-Käse und Nürnberger Lebkuchen zu den am besten überwachten, exklusivsten Spezialitäten Europas. „Wir haben drei Angestellte, die die Anlagen und die Bauern kontrollieren“, sagt Franz Labugger, Obmann der Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl g.g.A. „Ein sehr effizientes Kontrollsystem gewährleistet die lückenlose Nachvollziehbarkeit der heimischen Kürbiskerne vom Feld über die steirischen Ölmühlen in die Flasche bis zum Ladentisch.“ So könne man sicherstellen „dass nur Kerne aus dem eingegrenzten Gebiet verwendet werden“. Und dazu gehören eben auch Kerne aus Ölmühlen im Burgenland.

Über 2.000 Kürbiskernproduzenten und etwa 30 Ölmühlen schlossen sich 1998 in der „Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl“ zusammen. Jede Flasche aus ihrer Produktion trägt eine grün-weiße Banderole sowie eine Prüfnummer und jeder einzelne Schritt bei der Herstellung des Öls ist dokumentiert. Alljährlich im März prämiert die Öl-Gemeinschaft ihre Besten. In diesem Jahr stellten sich 436 Produzenten (plus 14 Prozent), und damit so viele wie noch nie, dem strengen Qualitätswettbewerb. 372 Produzenten wurden ausgezeichnet. Dieser hohe Qualitätslevel zahlt sich aus: Der Absatz des „Grünen Goldes“ boomt im In- und Ausland. 2011 wurden 3,09 Millionen Flaschen mit der Qualitäts- und Herkunftsmarke „Steirisches Kürbiskernöl g.g.A.“ verkauft – 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Kernöl-Boom

Auf 1.3961 Hektar wurden im letzten Jahr Ölkürbisse angebaut. Laut Obmann Labugger wird 2012 die Anbaufläche in der Steiermark erneut erweitert, sodass bei der Bedarfsdeckung kein Engpass entsteht. Missernten, regelmäßig verbunden mit einem enormen Preisanstieg, und parlamentarische Anträge der Grünen, die 2009 die Herkunft „steirischer“ Kürbiskerne bezweifelten, führten damals zu einer medialen „Öl-Krise in der Steiermark!“ und zur Verunsicherung der Verbraucher. Seitdem ist dieses Öl so teuer wie nie zuvor: Ein Liter kostet bis zu 23 Euro. Wer hingegen beim Discounter für angeblich „echtes Kernöl aus der Steiermark“ nur 16 Euro und weniger bezahlt, kann annehmen, dass dieses Produkt aus einer der großen Ölfabriken stammt, die „zu 80 Prozent nicht österreichische Kürbiskerne verarbeiten“, wie Gernot Becwar, Ölmüller und Obmann der „Ölspur“, sagt.

2012 gab es einen Rekord: 14 Betriebe erhielten die Premium-Auszeichnung der „Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl g.g.A.“ zum 13. Mal in Folge. Unter ihnen die Familie Becwar in Herbersdorf und der Ölmüller Guntram Hamlitsch, beide aus dem Bezirk Deutschlandsberg. Sie betreiben die einzigen Ölmühlen in diesem Bezirk, die seit dem Beginn des Wettbewerbs im Jahre 2000 alljährlich mit Gold prämiert wurden. Beide Mühlen gehören auch zum Verband der „Steirischen Ölspur“, die sich von Stainz bis Eibiswald durch das „Schilcherland“ in der Weststeiermark zieht. Bestens aufgestellt ist diese Region durch das kulinarische Aushängeschild „Schilcherland-Spezialitäten“ und eben die „Ölspur“, der neun Gemeinden, 22 Wirte, fünf Ölmühlen, 14 Ölbauern und weitere 30 Partnerbetriebe angehören. Die „Ölspur“ tritt nicht nur als Vermarkter der öligen Genusskultur auf, sondern will den Touristen ein kulturelles Angebot und zusätzliche Freizeit- und Sportmöglichkeiten ans Herz legen.

Tradition aus Herbersdorf

Eine der kleinsten und mit 200 Jahren ältesten Ölmühlen der Steiermark ist Herbersdorf – zudem einer der wenigen noch vollständig erhaltenen Betriebe, die steirisches Kürbiskernöl auf traditionelle Weise herstellen: Trocknen, mahlen, kneten, rösten, ausschlagen – als das läuft hier noch nach uralten Prozessen ab, geheizt wird der Röst-Kessel mit Scheitholz.

Die Mühle gehört Ulrike und Gernot Becwar. Sie zeigen Besuchern auch die hundert Jahre alte Ölkuh, hölzerner Zeitzeuge für die Mühseligkeit des Ölmüller-Berufes, und führen ihre Gäste in den 600 Jahre alten Gewölbekeller, wo es die berühmte Kernöl-Eierspeis‘ gibt sowie guten Weißwein und Knabberkerne zu Literaturlesungen oder Musikabenden. 


Steirisches Kürbiskernöl g.g.A. garantiert:

  • heimische Herkunft der Kerne 

 • Pressung in heimischen Ölmühlen und 

• 100-prozentig reines Öl aus Erstpressung 

Seit 2003 muss „Steirisches Kürbiskernöl g.g.A.“ in einem Qualitätslabor nachweisbar auf Rückstände getestet werden. Die Kontrollen obliegen der Lebensmittelbehörde des Landes. Seit 2006 darf die eingetragene Bezeichnung nur benutzt werden, wenn die zur Pressung verwendeten Kerne von der Kürbisgattung Cucurbita pepo var. Styriaca stammen und das Anbaugebiet der Kürbisse in einem der folgenden politischen Bezirke liegt: Steiermark mit den Bezirken Deutschlandsberg, Feldbach, Fürstenfeld, Graz und Umgebung, Hartberg, Leibnitz, Radkersburg, Voitsberg und Weiz; Burgenland mit den Bezirken Jennersdorf, Güssing, Oberwart sowie Hollabrunn, Horn, Mistelbach, Melk und Gänserndorf in Niederösterreich.

Weitere Infos: www.steirisches-kuerbiskernoel.eu