Das Gülle-Problem

Massentierhaltung hat viele negative Konsequenzen, oft vernachlässigt werden die Unmengen an Gülle, die sie produziert. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung schätzt 309 Milliarden Liter, die Rinder, Schweine, Geflügel, Schafe und Ziegen pro Jahr in Deutschland anhäufen. An sich ist die Gülle nützlich für die Landwirtschaft, Felder werden mit ihr gedüngt und Bauern sind ihren Mist los. Aber es gibt zu viel Gülle und zu wenig Anbauflächen in Deutschland. Seit Jahren wird trotzdem einfach gedüngt, was der Stall hergibt, und das ist weit mehr als Pflanzen und Böden aufnehmen können.

Nicht nur das, Deutschland importiert sogar Gülle aus anderen Ländern. Denn auch die Niederländer produzieren zu viel Gülle, können diese aber dank strengerer Gesetzgebung nicht komplett auf ihren eigenen Feldern unterbringen. Nach Deutschland damit also, Problem gelöst. Rund 1,4 Millionen Tonnen Gülle aus den Niederlanden sollen pro Jahr auf Feldern in Nordrhein-Westfahlen landen, wo die Bauern sich die Abnahme der stinkenden Ware bezahlen lassen.

Viel zu viel Gülle und das in ihr enthaltene Nitrat sickert so in Böden und Grundwasser und gelangt in den Nahrungsmittelkreislauf. Angekommen im menschlichen Körper kann Nitrat in den gesundheitsgefährdenden Stoff Nitrit umgewandelt werden. Dieser behindert Jod- und Sauerstoffaufnahme des Bluts und ist daher vor allem gefährlich für Schwangere und Kleinkinder. Der aktuelle Nitratbericht der Bundesregierung belegt, dass an zahlreichen Messstellen die Grenzwerte für Düngerrückstände im Boden überschritten werden und auch das Trinkwasser belastet ist. Die EU-Kommission bemängelt schon lange hohe Nitratwerte und lasche Gesetzgebung in Deutschland und reichte im November 2016 schließlich Klage ein. Hauptvorwurf ist die lange Untätigkeit des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, trotz seit Jahren steigender Nitratbelastung des Grundwassers.