Hinterher ans Fahrrad

von Aurelie von Blazekovic

Jeder zweite Deutsche nutzt im Alltag ein Fahrrad, für Einkäufe oder den Weg zur Arbeit – Tendenz steigend. Besonders in den Innenstädten ist man auf zwei Rädern unkompliziert und schnell unterwegs, umfährt Staus und vermeidet Parkgebühren. Beim Einkauf gibt es aber ein Problem: wohin mit den Tüten, wenn es mal etwas mehr geworden ist? Ein Anhänger muss her, und zwar einer der robust ist und sich sicher fahren lässt.

Von der Möbelwerkstatt zur Anhängerwerkstatt

Nach genau so einem Produkt suchte Hinterher-Gründer Peter Hornung selbst vor einigen Jahren. Der Architekt und Schreiner führte mehr als 20 Jahre lang eine Möbelwerkstatt im Münchner Glockenbachviertel und war täglich von der Verkehrssituation in der Innenstadt genervt. Zu jedem Termin musste er mit dem sperrigen Sprinter ausrücken und verschwendete Zeit in Staus und bei der Parkplatzsuche. Zu gerne wäre er einfach mit dem Fahrrad ausgerückt, aber schließlich musste er auch sein Werkzeug mitnehmen. Nach erfolgloser Suche nach einem geeigneten Fahrradanhänger, nahm Hornung das ganze schließlich selbst in die Hand und entwickelte einen Lastenanhänger.

Dank seiner langjährigen Kontakte zu Handwerkern in der Umgebung, ging das schneller und unkomplizierter als man meinen könnte. Nach einem Jahr standen die ersten beiden Modelle von Hinterher und ein weiteres Jahr später gingen sie in die Serienproduktion.

Die Anhänger bestehen aus roten Aluminiumwannen in verschiedensten Größen. Per Stecksystem lassen sie sich zu stabilen Fahrradanhängern zusammensetzen, mit verschließbaren Aufsätzen kombinieren und können auch als Handwagen benutzt werden. Nach wenigen Sekunden sind zwei Räder und eine Deichsel an der Wanne angebracht. Dank dieser simplen, aber robusten Bauweise lassen sich mit ihnen auch schwere oder sperrige Lasten sicher auf dem Fahrrad transportieren.

Zwei Jahre lang betrieb Hornung gleichzeitig noch die Möbelwerkstatt, bevor er sich dazu entschied, sich völlig auf Hinterher zu konzentrieren. Die ehemalige Möbelwerkstatt im Glockenbachviertel wurde bald zu eng – an Fahrradfahrern mangelt es München schließlich trotz der vielerorts engen Fahrradwege nicht. Vor allem im deutschsprachigen Raum und in den Niederlanden und Dänemark sind die Anhänger beliebt. Inzwischen verschickt das Unternehmen aber auch Anhänger bis nach Korea, Japan oder Australien. Natürlich bestimmt auch der Verkehr einer Stadt oder einer Region, wie gut man mit dem Hinterher voran kommt, weshalb Hornung sich gerade in München für eine fahrradfreundlichere Stadt einsetzt.

Wocheneinkauf und Wüstendurchquerung

Die meisten Kunden nutzen die Anhänger für Einkäufe und sonstige alltägliche Transporte, meint Peter Hornung. Aber eigentlich für alles, was man eben so transportieren muss – sei es ein Hund oder der Sperrmüll. Auch bei Fahrradreisen und Wanderungen sind die Anhänger, die ja auch ohne Fahrrad genutzt werden können, ein praktischer Begleiter. Hinterher richtet sich oft nach Kundenwünschen und bietet auch Anhänger, mit denen sich Boote transportieren lassen – oder sogar bis zu fünf weitere Fahrräder. Letzteres nutzt zum Beispiel ein Fahrradhändler in der Nähe der Lagerhalle von Hinterher.

Aber es geht noch exotischer: ein Kunde durchquerte die Kalahari Wüste mit 80 Liter Wasser auf einem Anhänger von Hinterher. Ein anderer longboardet derzeit von München nach Istanbul mit einem Rikscha-Anhänger. Eine weitere Frau läuft für ein Charity-Projekt mit einem Hinterher-Anhänger durch die ganze Welt. Und ein Schweizer Bauernpaar hat sich einen Anhänger zur mobilen Melkstation für seine Ziegen umgebaut.

Die Anwendungsmöglichkeiten sind also unendlich und höchstens vom Gewicht der Ware begrenzt. Denn obwohl die Anhänger an sich weit mehr aushalten würden – damit man sicher fahren und vor allem bremsen kann, sollten zumindest auf dem Fahrrad nicht mehr als 45 Kilogramm beladen werden.

Preisgekrönte Nachhaltigkeit

Mit Preisen zwischen 400 und 1500 Euro sind die Fahrradanhänger von Hinterher nicht günstig. Peter Hornung versucht, die Anhänger bezahlbar zu halten, aber seine Qualitätsansprüche an die Anhänger haben ihren Preis. Sie sollen ein rundum gutes und langlebiges Produkt sein: „Jeder Aspekt baut auf dem Prinzip der Nachhaltigkeit auf“. Zum Beispiel setzt das Unternehmen auf kurze Transportwege und regionale Zulieferer. Vor allem möchte Hornung aber mit seinen Anhängern allgemein den Fahrradverkehr stärken – aus Umweltgründen. Aber auch, weil die Menschen wieder entdecken sollten, dass Bewegung gesund ist und auch Spaß macht. „Das hat nichts mit alternativ oder öko zu tun“, findet er.

Diese Einstellung hat Hinterher in der kurzen Firmengeschichte schon zahlreiche Preise eingebracht. Unter anderem den Bundespreis ecodesign 2015 und den Münchner Umweltpreis 2013. Das sieht Peter Hornung natürlich als Bestätigung für sein Produkt, aber vor allem für die Wichtigkeit der Entwicklung neuer Verkehrskonzepte, die verstärkt Fahrradfahrer miteinbeziehen. Deshalb freute er sich auch besonders über die Nominierung für den German Design Award 2017, denn in dem zugehörigen Katalog wurden die Hinterher-Anhänger in der Kategorie Mobilität an erster Stelle vorgestellt, eine Seite vor einer Entwicklung von Porsche.

Hier geht es zum Online-Shop von Hinterher.