Der Münchner Designer und Unternehmer Axel Meise über Lichtdesign und Lebensqualität

Der Designer Axel Meise setzt seit Jahren bemerkenswerte Akzente in der Lichtbranche. Axelmeiselicht hat sich sehr dynamisch entwickelt und mit dem modularen Leuchtensystem „Occhio“ eines der erfolgreichsten Lichtprodukte der letzten Jahre auf den Markt gebracht. Seit 1999 befindet sich die Firmenzentrale am Wiener Platz in München. Hier steuert Meise mit einem Team von 30 Mitarbeitern die Bereiche Design & Entwicklung, Marketing, Sales und Service.

 

Herr Meise, bedeutet die LED-Technologie eine Revolution für den Lichtmarkt und eine gewaltige Herausforderung für die Hersteller?


Meise: Ich habe schon die erste „Revolution“ in den 80er Jahren miterlebt und auch ein wenig mitgestaltet, als die Halogentechnik aufkam. Die jetzige Phase ist durchaus vergleichbar: Wieder bietet eine neue Technologie neue Möglichkeiten im Leuchtendesign und in der Lichtgestaltung. Trotzdem kann ich der allgemeinen Euphorie noch nicht ganz folgen und behaupte, dass LED die bekannten Lichtquellen ergänzen, aber auf absehbare Zeit nicht ersetzen wird.

 

Woher kommt Ihre Skepsis? Warum beurteilen Sie die LED so zurückhaltend?


Meise: LED ist lediglich ein weiteres Element der Lichtgestaltung, aber nicht die Lösung für alle Aufgaben. Da gehen viele in ihrer Euphorie zu weit.

 

Wo sehen Sie die Grenzen der LED-Lichttechnik?

Meise: Die heutigen LED-Lichtquellen können Licht schon sehr effizient erzeugen und damit zum Beispiel Leuchtstofflampen oder Entladungslampen in vielen Bereichen ersetzen. Im privaten Ambiente fehlt mir aber die natürliche Wärme.

 

Sind das grundsätzliche Einschränkungen oder ist das mehr eine Frage der Zeit, bis das LED-Licht diese Schwierigkeiten überwinden kann?


Meise: Das eigentliche Problem ist die Lichtqualität. Weil LED das Licht künstlich erzeugt, über einen Leuchtstoff. Die gute alte Glühbirne und auch die neuen Halogen-Lichtquellen bieten dagegen „natürliches“ Licht mit vollem, als angenehm empfundenem Spektrum, weil hier eine Glühwendel zum Leuchten gebracht wird.

 

Wenn LED-Licht für Sie artifiziell ist, wo sehen Sie dann überhaupt den Einsatzbereich?


Meise: Die entscheidende Frage ist für mich: Wo sehe ich welche Lichtquelle, wie setze ich sie optimal ein? Wir brauchen in Zukunft noch mehr Gestaltungsspielraum für die unterschiedlichsten Herausforderungen. Da eröffnet LED fraglos zusätzliche Möglichkeiten.

 

Wie und wo werden Sie LED-Licht einsetzen?

Meise: Nach und nach werden wir LED als weitere Lichtquelle für den Großteil unseres Occhio-Leuchtensystems anbieten. Immer unter der Voraussetzung, dass die Lichtqualität unseren Ansprüchen genügt. Unsere neue Ein- und Aufbaustrahlerserie „più“ zum Beispiel kommt Anfang nächsten Jahres auf den Markt und wird neben den neuen Halogen-Lichtquellen auch schon mit LED angeboten. Letztendlich haben wir mit LED eine neue, effiziente Lichttechnologie, die für viele Bereiche funktioniert – aber eben nicht überall. Da wird sich sicher viel verändern und viel passieren in den nächsten Jahren. Ich prophezeie aber auch einen Gegentrend.

 

Nämlich welchen?

Meise: Gerade jetzt geht ein Aufschrei durch die Gesellschaft: Die Glühbirne wird verboten und soll durch die Energiesparlampe ersetzt werden. Jeder, der das Licht einer Energiesparlampe schon einmal erleben durfte, sieht das als Rückschritt der Licht- und damit der Lebensqualität. Der Mensch sehnt sich nach warmem Licht und empfindet natürlich erzeugtes Licht als angenehm. Das bietet in Zukunft nur die Halogentechnik. Wir sollten aber zwischen privatem und gewerblichem Bereich unterscheiden. Es gibt noch keine Technologie, die für alle Zwecke die ideale ist. Deshalb argumentiere ich gerne gegen den Trend und oute mich als LED-Skeptiker.

 

Energieeffizienz ist nicht alles?

Meise: Energieeffizienz ist ein wichtiger Aspekt in der Lichtgestaltung, aber nicht der alles bestimmende. Wir verstehen uns mit Occhio als Anbieter von bester Licht- und damit auch Lebensqualität. Wir wollen unseren Kunden die für ihre ganz individuellen Bedürfnisse optimale Lösung bieten.