Kaffee im Pfandbecher – Wer hinter der Idee „ReCup“ steckt

Schnell noch einen Kaffee zum Mitnehmen – das ist praktisch, aber schlecht für die Umwelt. 40.000 Tonnen Müll pro Jahr verursachen die Kaffeebecher aus Pappe in Deutschland. Sie sind schwer zu recyclen, weil sie nicht nur aus Pappe bestehen, sondern mit Kunststoff beschichtet sind. Zwei Jungunternehmer aus Bayern haben sich nun vorgenommen, mit dem Wegwerfen Schluss zu machen. Sie wollen ein flächendeckendes System für Pfandbecher schaffen. Fabian Eckert (27) und Florian Pachaly (21) stecken hinter den ReCup-Bechern, aus denen seit einigen Wochen in Rosenheim Kaffee geschlürft wird. Unsere Autorin Eva Morlang hat mit Fabian (im Bild links) gesprochen.

 

ReCup heißt eure Geschäftsidee: Mehrwegpfandbecher für Coffee-to-go. Seit Ende Oktober gibt es sie in Rosenheim.

Wie kamt ihr auf die Idee? Warum ausgerechnet Kaffeebecher?

Fabian: Ich habe in Schweden ‚Leadership for sustainability‘ studiert. Die Stadt Malmö und die Universität stehen für Nachhaltigkeit – aber in der Mensa gab es nur Wegwerfbecher, nicht mal normale Tassen. Das hat mich geärgert, und so bin ich auf die Idee gekommen, da nach Alternativen zu suchen. Zurück aus Schweden, ging es für mich nach München. Dort engagiert sich Julia Post in dem Bereich mit der Initiative Coffee to go again. Sie will dafür sensibilisieren, wie viel Müll die Einwegbecher verursachen, und will mehr Cafés davon überzeugen, den Kunden selbst mitgebrachte Tassen und Thermosbecher aufzufüllen. Julia hat mich mit Florian in Verbindung gebracht. Wir kannten uns vorher gar nicht. Im August haben wir zum ersten Mal telefoniert – und jetzt sind wir Geschäftspartner.

 

 Das ging ja ziemlich schnell. Ende Oktober standen schon die ersten Becher in den Cafés.

Da kanntet ihr euch knapp drei Monate.

Fabian: Ja, wir haben dann echt Gas gegeben. Wir haben gleich beim ersten Telefonat gemerkt: Das passt wie die Faust aufs Auge. Flo war im August noch in den letzten Zügen seines dualen Studiums, wollte danach eigentlich erst mal reisen. Aber dann hatten wir einfach Lust, loszulegen. Wir wollten so schnell wie möglich mit unserer Idee an den Markt, die Idee testen, Erfahrung sammeln, Daten erheben. Florian kommt aus Rosenheim, so fiel die Entscheidung auf die Stadt.

München wäre für den Anfang viel zu groß gewesen. Wir wollten eine überschaubare Stadt, in der wir realistisch eine hohe Abdeckung schaffen können. Mit 26 Filialen haben wir dort schnell ein recht dichtes Netz auf die Beine gestellt. Unsere Idee funktioniert nur, wenn das System flächendeckend ist. Man soll den Becher nicht ewig herumtragen müssen, sondern wirklich gleich an der nächsten Ecke zurück geben können.

 

Rosenheim ist also quasi euer Versuchslabor. Was habt ihr bis jetzt gelernt?

Fabian: Die Resonanz war viel besser, als wir erwartet hatten. Die Cafés und Bäckereien haben eine große Bereitschaft, mitzumachen. In Zahlen können wir es noch nicht genau sagen. Am 18. Dezember erst haben wir unsere ‚Erhebungsphase‘ beendet. Jetzt geht es an die Auswertung. In Rosenheim läuft natürlich alles weiter, die ReCup-Becher sind weiter in Umlauf, das Netz soll noch größer werden. Aber wir haben jetzt erst mal für uns Daten generiert, mit denen wir dann weiter arbeiten können. Wir haben uns viel mit unseren Kunden, den Betreibern der Filialen, ausgetauscht, waren immer wieder vor Ort. Außerdem hatten wir eine Umfrage online, in der jeder uns Feedback geben konnte.

 

 Was ist im Moment zum Beispiel noch eine Baustelle?

Fabian: Wir sind noch nicht hundertprozentig zufrieden mit den Bechern. Im Moment sind in Rosenheim 4000 von ihnen in Umlauf in zwei verschiedenen Größen. Die Becher haben wir eingekauft und nur mit unserem Logo bedrucken lassen. Das war der schnellste Weg. Die reCups sind aber noch nicht ganz optimal. Das Material soll natürlich so nachhaltig wie möglich sein. Unsere Becher sind aus recyclebarem Kunststoff, also im Grunde Plastik. Metall, Keramik und Glas wären als Material zu schwer gewesen und sind außerdem energieaufwändiger in der Herstellung. Wir wissen aber, dass Kunststoff auf Erdölbasis auch nicht einwandfrei ist. Wir suchen noch nach der optimalen Lösung.

Es gibt seit einiger Zeit Becher aus Bambus auf dem Markt, aber auch das Material ist auf den zweiten Blick leider nicht so toll, wie auf den ersten. Die Becher sind nicht hundert Prozent recyclebar und Bambus kommt meist aus Fernost, wo man auch nicht sicher sein kann, wie die Bedingungen vor Ort waren.
Auch für die Deckel suchen wir noch nach einer Lösung. Bis jetzt gibt es zu unseren Pfandbechern Einwegdeckel. Die Reinigung zum Beispiel von Silikondeckeln wäre sehr aufwendig und das Mundstück möchte man eben doch nicht mit anderen teilen.

 

Es soll ja bestimmt nicht bei Rosenheim bleiben. Was sind eure nächsten Ziele?

Fabian: Wir haben vor allem München und Berlin im Visier und sind da auch schon in Verhandlungen. Langfristig ist natürlich ein großes einheitliches Pfandsystem für ganz Deutschland das Ziel. Fünfzig verschiedene Insellösungen bringen uns nicht weiter.

 

Kommen auch Städte auf euch zu und bitten euch, die Becher bei sich einzuführen?

Fabian: Seit die ersten Berichte über das Projekt in Rosenheim in der Presse waren bekommen wir viele Anfragen. Alles von der Tankstelle bis zur Krankenhauskantine ist dabei. Wir haben die Anfragen alle auf dem Schirm und müssen in den nächsten Wochen und Monaten schauen, was für uns interessant ist und was wir betreuen können. Das Ziel ist auf jeden Fall, dass wir im Frühjahr in die nächste Stadt gehen. Genauer können wir das gerade noch nicht sagen.

 

Was sind im Moment noch Hindernisse, mit denen ihr zu kämpfen habt?

Fabian: Ein großes Thema sind Kiosks in den Bahnhöfen, zum Beispiel in der Münchener U-Bahn auf den Bahnsteigen. An diesen Buden wird unheimlich viel Kaffee verkauft – und zwar nur ‚to go‘. Dort gibt es gar keine Möglichkeit, Becher zu spülen. Man müsste für diese Stände also eine externe Spüllogistik anbieten, wenn man sie mit ins Boot holen will. Da suchen wir noch nach einer attraktiven Lösung.

 

Ihr kennt euch gerade mal seit drei Monaten, seit jetzt Geschäftspartner und habt Großes vor. Wie habt ihr euch als Team eingespielt? Es ist schon mutig, mit jemandem zu gründen, den man nicht kennt.

Fabian: Auf jeden Fall! Vor allem weil wir GbR-Gesellschafter sind, also komplett für den anderen haften. Wir fragen uns auch manchmal, wie wir das geschafft haben, uns so schnell zu vertrauen. Aber es läuft wirklich super. Wir haben den gleichen Drive, hatten beide noch nie so viel Spaß am Arbeiten. Wir zahlen ja sogar dafür, dass wir arbeiten (lacht)! ReCup haben wir komplett selbst finanziert, mussten also ordentlich in Vorlage gehen. Noch stecken wir nur rein, aber bald kommt hoffentlich auch was raus.

 

Zum Schluss noch die Frage: Wie haltet ihr es privat mit der Nachhaltigkeit?

Fabian: Ich bin natürlich besonders durch mein Studium sehr sensibilisiert. Da fängt man irgendwann an, alles aus der Nachhaltigkeitsperspektive zu betrachten. Ich bin zum Beispiel Vegetarier. Fleisch schmeckt mir, aber ich bin der Meinung, dass man es nicht nachhaltig produzieren kann. Flo und ich fahren beide viel Fahrrad und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Wenn wir für Termine nach Berlin müssen, fahren wir Bahn, anstatt das Auto zu nehmen oder gar zu fliegen. Wenn wir in Rosenheim unterwegs sind, trinken wir natürlich Kaffee aus unseren eigenen Bechern. Und sonst ehrlich gesagt gar nicht to go.

Nachhaltigkeit hat natürlich auch eine soziale Komponente und da muss man als Gründer besonders aufpassen: Man kommt schnell in Versuchung, rund um die Uhr zu arbeiten. Vor allem, weil uns das alles Spaß macht. Wir passen aber auf, dass wir es nicht übertreiben.

31.01.2017