Wenn das Rindfleisch per Post kommt

von Eva Morlang

Spätestens seit dem Skandal um Pferdefleisch in Tiefkühllasagnen achten immer mehr Leute darauf, was in ihrem Essen wirklich drin steckt, und woher es kommt. Auf dem Land kann man vielleicht noch beim Bauernhof vorbei gehen und sich ein Bild davon machen, wie die Tiere gehalten werden, die man später essen möchte. In der Stadt aber wird das schon schwieriger. Woher das Fleisch im Supermarkt kommt, weiß man selten, egal ob mit oder ohne „bio“. Gleichzeitig bestellen immer mehr Menschen Lebensmittel im Internet. Eine Kombination aus beiden Trends will kaufnekuh.de für sich nutzen: ein Online-Versand für Rindfleisch.

Hier wird erst bestellt und dann genau nach Bedarf geschlachtet. Online gibt es Fleisch-Pakete in verschiedenen Größen und Zusammenstellungen zur Auswahl, und erst wenn aus der Summe der Bestellungen eine ganze Kuh verkauft ist, wird sie geschlachtet. Noch etwa zwei Wochen muss das Fleisch reifen, dann ist es bereit für den Versand. Spezielle Kühltaschen kühlen das Fleisch bis zu 36 Stunden. Die Kühlelemente lassen sich wiederverwenden.

Wissen, wie und wo das Tier gelebt hat

Gleich auf der Startseite prangt der Slogan „Iss weniger Fleisch aber dafür gutes und zurückverfolgbares“. Auf die Idee des transparenten Onlinevertriebs kam 2014 der niederländische Unternehmer Yvo van Rijen. Seit Ende 2015 gibt es den Online-Rindfleischhandel auch in Deutschland. Die Kühe stammen von kleinen familiengeführten Höfen in Bayern und Baden-Württemberg rund um den Bodensee. Das Fleisch ist nicht bio-zertifiziert, denn nur einige der Bauern haben ein demeter- oder Bio-Siegel, nicht alle. Auf der Website werden die Landwirte mit Fotos und Informationen zur Haltung vorgestellt. Zum Beispiel Vater und Sohn Götz aus Tieringen, deren Rinder acht Monate im Jahr auf großzügigen Weiden stehen und im Winter in halboffenen Ställen.

Kaufnekuh.de macht transparent, wo das Fleisch herkommt, und wie und wo die Kühe geschlachtet werden. Die Kunden scheinen auch mit dem Service und der Qualität des Fleisches zufrieden zu sein. Auf kaufnekuh.de finden sich inzwischen 850 Kundenbewertungen, 745 gaben die Note „sehr gut“. Nachdem das erste Jahr gut lief, eröffneten die „Crowdbutcher“ Ende 2016 kaufeinschwein.de als weiteren Shop.

Das „Crowdbutching“, das Schlachten nach Bedarf, fordert von den Kunden allerdings Geduld. Wenn man eine Bestellung aufgibt, kann man nicht sicher sein, wann die Kuh oder das Schwein tatsächlich geschlachtet wird, und wann das Fleisch schließlich geliefert wird. Die bestellbaren Mengen beginnen bei 3,6 kg, für einen kleinen Haushalt schon recht viel. Man braucht also viele Esser oder viel Platz im Gefrierfach. Bei den FAQs schreibt der Anbieter, 12 Monate lang würde sich das Fleisch tiefgekühlt halten, ohne dass die Qualität leidet.