Aus Südtirol in die Welt: Daniel Tocca von Re-Bello im Gespräch

Nachhaltige Kleidung hatte lange einen schlechten Ruf, galt als unförmig und unmodern. Dass die Zeiten sich geändert haben, beweist das Südtiroler Modelabel Re-BelloDaniel Tocca ist Mitgründer des nachhaltigen Fashionlabels aus Italien und hat sich mit unserer Autorin Aurelie von Blazekovic über nachhaltige Materialien und die DNA Südtirols unterhalten.

Re-Bello gibt es seit 2010, woher kam die Idee?

Ich habe in Rotterdam Unternehmensgründung studiert und als Italiener war ich schon immer an Mode interessiert. Nach der Uni habe ich erst mal in einem größeren Konzern gearbeitet, war dort aber nicht richtig glücklich. Ich in bin dann mal in einem kleinen Shop in Rotterdam auf Materialien gestoßen, die ich schön und interessant fand und habe dann im Label gesehen, dass das nachhaltiger Stoff war, aus Hanf und Bambus. Das Material fand ich schön, aber die Mode hat mich nicht angesprochen, so typische „Kartoffelsackteile“. Es war nichts, was ein Italiener tragen würde. So kam eigentlich die Idee, das Design mit den nachhaltigen Materialien zu verbinden und ich habe dann mit zwei Freunden Re-Bello gegründet.

Nachhaltige Materialien ohne den Öko-Look also?

Ja, das Design mit der Nachhaltigkeit zu verbinden war und ist unsere Mission. Das Bello in Re-Bello steht für das Schöne, das ist uns wichtig. Und obwohl viele Materialien damals schon technologisch gut entwickelt waren, hat es an der Mode, an dem Schönen, gehapert. Wir würden aber auch keine Mode machen, die nur schön ist aber nicht aus nachhaltigen Materialien. Es ist wirklich der Mix, das eine kann ohne das andere nicht leben.

Ist es nicht schwierig, nachhaltige, ökologische Materialien zu finden, die schön aussehen und sich gut anfühlen?

Das ist ein wichtiger Arbeitsbereich bei uns, denn Design allein funktioniert nicht. Der Kunde will heute, dass 360 Grad alles funktioniert und ästhetisch ist. Wir arbeiten immer an neuen Stoff-Mischungen, zur Zeit zum Beispiel auch an einem Material, das aus recycelten Fischernetzen hergestellt wird. Das ist besonders spannend, weil das die Umwelt so wenig belastet. So wie unsere Jacken, die aus recycelten Plastikflaschen hergestellt werden.

Auf der Website von Re-Bello kann man die Herstellung und Zusammensetzung einzelner Produkte genau nachverfolgen. Interessieren sich die Menschen heutzutage mehr dafür, woher ihre Kleidung kommt?

Darauf sind wir besonders stolz. Unsere Kunden wollen nicht nur schöne Mode, sie sind auch an den Hintergründen interessiert. Es geht um Transparenz und wir wollen allgemein auch, dass die Leute merken, dass man als Label tatsächlich auch transparent sein kann. Es ist sicherlich ein Thema, das wichtiger wird, das wichtiger werden muss. Ich glaube daran, dass sich immer mehr Menschen für das Thema Nachhaltigkeit interessieren.

Ihr kommt aus Südtirol und werbt mit dem Slogan Italian Fashion, euer Look ist aber ziemlich minimalistisch und international, oder?

Wir machen natürlich nicht nur Mode für Italiener, da haben wir schon größere Ambitionen. Wir sind international geprägt und der Minimalismus, das sind einfach wir. Italien steht weltweit für Design und Mode und Südtirol ist eine sehr schöne Gegend, mit den Bergen und der Natur. Die Nachhaltigkeit ist hier in unserer DNA, außerdem haben wir ein gutes Team, das hinter der Idee steht.