App macht Appetit auf Reste

von Eva Morlang

Too Good To Go – „zu gut zum Wegwerfen“ heißt die App, die dabei helfen soll, Übriggebliebenes aus der Gastronomie vor der Tonne zu bewahren. Das kann ein Brot vom Bäcker sein, ein paar Stücke Kuchen aus einem Café oder eine Schüssel Curry vom Thai-Imbiss. Die meisten Portionen kosten zwei bis drei Euro. Too Good To Go wurde Ende 2015 in Dänemark gegründet. In den letzten Monaten verbreitet sich die App auch in Deutschland immer mehr.

Zwar sind private Haushalte in Deutschland mit rund 60 Prozent für den größten Teil der weggeworfenen Lebensmittel verantwortlich, Großverbraucher wie Kantinen und Gaststätten fallen mit etwa 16 Prozent aber auch ins Gewicht. Zumal in der Gastronomie Gerichte in der Tonne landen, die aufwändig zubereitet wurden.

Portion wählen, Kaufen klicken, abholen

Eine App soll da helfen? Und wie funktioniert das? Im Grunde sehr einfach: Kostenlos die App herunterladen, in der Suche eine Stadt oder Postleitzahl eingeben, dann erscheint eine Übersicht an teilnehmenden Läden. Gleich auf den ersten Blick sieht man den Preis und die Abholzeit, meistens die letzte Stunde vor Ladenschluss. Ein grüner oder roter Punkt zeigt an, ob noch Portionen zu haben sind. Wenn man auf Kaufen klickt, stehen zwei Bezahlmethoden zur Auswahl: Kreditkarte und PayPal. Wenige Augenblicke später erscheint eine Kaufbestätigung mit Adresse und Abholzeit. Was genau einen bei der Abholung erwartet, ist eine Überraschung. Die Reste können natürlich von Tag zu Tag variieren.

In meinem Fall ist der gerettete Rest ein leckeres vegetarisches Geschnetzeltes mit einer sensationellen herzhaften Waffel vom Café HomeLe in Leipzig. Abholzeit 16:30-18:00 Uhr, Preis drei Euro. Ich bekomme meine Portion in einer umweltfreundlichen Box aus Pappe.

Maike Steuer hat ihr Café HomeLe vor etwa drei Monaten bei Too Good To Go angemeldet. Auch davor hatte sie schon Wege gefunden, um Reste wegzugeben statt wegzuwerfen. Bei foodsharing.de stellt sie hin und wieder Reste ein, außerdem kommt regelmäßig eine Gruppe der organisierten Leipziger Foodsharer, die ihr Reste abnimmt, bevor sie am Wochenende das Café zumacht.

Too Good To Go ist in ihren Augen keine Konkurrenz für diese Kooperation, die weiterhin läuft. „Ich finde an der App schön, dass man Wertschätzung zeigt, wenn man eben noch ein paar Euro ausgibt und das Essen nicht ganz für lau rausgehauen wird“, sagt sie. Bisher bringt die App ganz unterschiedliche Leute in ihr Café, Wiederholungstäter gibt es noch keine. Die meisten kommen aus Neugierde, wollen das System ausprobieren. „Und es bringt die richtigen Leute hier her, Menschen, die auch sonst gut in meine Kundschaft passen“, sagt die Cafébesitzerin.

Too Good To Go

Kein Problem, wenn nichts übrig bleibt

Der Online-Verkauf über die App ist keinen große Verpflichtung für die Gastronomen. Wenn im Laufe des Tages alles Essen verkauft wird, kann Maike Steuer ihr Café in der App als ausverkauft markieren. Und auch wenn morgens schon Leute eine Portion online gekauft haben, und sich im Laufe des Tages abzeichnet, dass nichts übrig bleiben wird, kann die Cafébesitzerin den Einkauf noch stornieren. Beim Käufer wird erst Geld abgebucht, wenn er seine Portion erhalten hat.

Vor eineinhalb Jahren gründete eine Gruppe von Freunden Too Good To Go in Dänemark, seit 2016 ist die App auch für Deutschland verfügbar, am Anfang beschränkt auf Hamburg und Berlin, inzwischen im ganzen Land verteilt.

In Köln nehmen mehr als 40 Gastronomiebetriebe teil, in Hamburg mehr als 50, in Berlin weit über hundert. In München sind es schon mehr als 30, in Dresden knapp 20, in Leipzig und Münster zehn. Auf einer Karte kann man sich in der App alle Orte anzeigen lassen, an denen Reste gekauft werden können. Zoomt man ganz weit raus, stellt man fest, dass die App nicht nur in einigen europäischen Ländern sondern auch am anderen Ende der Welt in Australien genutzt wird.

Die App macht dank einfacher Handhabung sowohl für Gastronomen als auch für Kunden das Resteretten leicht. Ein wenig Verbesserungsbedarf besteht aber noch: Im „To Go“ steckt auch die Frage nach dem Transport und damit dem Verpackungsmüll. Too Good To Go gibt vor, dass keine eigenen Behälter befüllt werden, nennt als Grund, dass die Portionen einheitlich groß sein sollen. Auch wenn wie im HomeLe umweltfreundliche Boxen verwendet werden, entsteht doch Abfall, der vermeidbar wäre. Die Portionen etwa gleich groß zu machen, schaffen die Gastronomen vermutlich auch ohne einheitliche Behälter. Das Prinzip sollte gelockert werden, damit bei Too Good To Go wirklich gar nichts in der Tonne landet.

30.05.2017