Zucker ist das neue Nikotin

Rauchen tötet, Zucker auch. Wissenschaftler sind sich einig: Zucker regt im Gehirn die gleichen Gegenden an wie Alkohol und Nikotin. Und Zucker macht krank, angefangen bei der Schwächung des Immunsystems, über Diabetes bis hin zu Krebs und Alzheimer.

Im Mittelalter war Zucker kostbar wie ein Gewürz. Man bewahrte Zucker, gewonnen aus Zuckerrohr und teuer nach Europa importiert, in abschließbaren silbernen Zuckerdosen auf. Gesüßt wurde vor allem mit Honig bis Sklavenarbeit in den lateinamerikanischen Kolonien die Herstellungskosten stark senkte und der Zuckerpreis deutlich fiel. Mit der Züchtung der Zuckerrübe im späten 18. Jahrhundert verbreitete sich der Industriezucker in Europa.

Die größten Zuckerbomben

Heute ist Zucker Grundnahrungsmittel und fester Bestandteil vieler industriell gefertigter Lebensmittel, wie Fertigmüslis, Joghurts und Erfrischungsgetränke. Getränke und Snacks haben einen Zuckeranteil von bis zu 40%.

Die größten Sünder sind die sogenannten Sugar Water Companies: Pepsi Cola, Coca Cola, Red Bull und Capri Sonne. Im Bereich Food fällt besonders Ferrero mit Milchschnitte, Kinder Pingui, Chico Fresh und Maxi King sowie dem beliebten Nutella-Brotaufstrich negativ auf. Schlimm sind auch die Fruchtzwerge von Danone oder der beliebte Kinder-Pudding Paula von Dr. Oetker. Um es klar zu sagen: Ein hoher Konsum von Produkten dieser Hersteller macht Kinder krank. Eltern sollten beim Supermarkteinkauf daher einen großen Bogen darum machen und sich auch nicht von Werbesprüchen wie der „Extra-Portion Milch“ locken lassen.

Völlig überzuckert sind außerdem die meisten Fertiggerichte. Sie enthalten neben zu viel Zucker auch ein Übermaß an Salz, Fetten und Geschmacksverstärkern. Und sie machen süchtig. Wer seinen Gaumen an die in Fertigprodukten angereicherten Zusatzstoffe einmal gewöhnt hat, der hat keinen natürlichen Geschmacksinn mehr. Das ungesunde, künstliche Aroma hat über das Gefühl für Naturgeschmack gesiegt. Der Konsument aber wird auf Dauer krank.

Fruchtzucker bietet keine gesunde Alternative

Auch Fruchtzucker bietet, anders als der Name verspricht, keine natürliche Alternativsüße. Reine Fructose ist zwar doppelt so süß wie reine Glucose (Traubenzucker), preisgünstiger herzustellen als Haushaltszucker, wirkt geschmacksverstärkend und ist daher das bevorzugte Süßungsmittel der Lebensmittelindustrie. Doch eine erhöhte Fructoseaufnahme beeinflusst den Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel besonders ungünstig: Fructose wird schneller in Körperfett umgewandelt als Glucose und kann erst über Umwege als Energielieferant dienen. Daneben nimmt das Sättigungsgefühl ab, denn übermäßiger Fruchtzuckergenuss führt zu einer Leptinresistenz. Leptin ist ein in den Fettzellen gebildetes Hormon, das bei ausreichenden Fettreserven das Hungergefühl hemmt.

Fruchtzucker ist jedoch nicht gleich Fruchtzucker. Entscheidend ist die Dosis, die meist abhängig von der Form der Aufnahme ist, also ob als Frucht oder als Bestandteil eines Schokoriegels, Fertiggerichts oder eines gesüßten Getränks. Da die Ballaststoffe fehlen, ist der Fructosegehalt von Fruchtsäften und Smoothies ist im Vergleich zu unverarbeiteten Früchten deutlich höher. Während man nach einem bis zwei Äpfeln einen Sättigungsgrad erreicht, trinkt man in gepresster Form innerhalb kürzester Zeit leicht fünf Äpfel.

Dabei brauchen wir den industriellen Zucker gar nicht: Kohlehydrate aus Brot oder Nudeln, am besten Vollkornprodukte und unverarbeitetem Obst liefern Energie, die unseren Körper langanhaltend auf Touren hält.